15 Tipps für einen genialen ersten Arbeitstag

Hurra, es hat geklappt mit dem neuen Job. Und dann, was tun am ersten Arbeitstag?

by Lisa Seelig, June 14, 2015

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Edition F und wurde von Lisa Seelig geschrieben. 

Hurra, es hat geklappt mit dem neuen Job. Und dann, was tun am ersten Arbeitstag? 15 Ideen, damit auch der erste Arbeitstag zu einem guten Tag wird.

Der erste Arbeitstag: Immer anders

Manchmal genügen Kleinigkeiten, und man weiß: Hier wird es gut werden. Mein allererster erster Arbeitstag überhaupt fand vor gut 20 Jahren statt, in einer Firma, die Brauereitanks herstellte. Ich war sechzehn und trat einen Ferienjob an, zehn Mark die Stunde, der Busurlaub nach Lloret de Mar wollte schließlich finanziert sein.

Jedenfalls betrat ich den tristen Büroquader verschüchtert und selbstverständlich vollkommen unvorbereitet – dass die Firma sich mit Brauereitanks beschäftigte, erfuhr ich erst viel später. Drinnen nahm mich ein walrossförmiger Mann mit riesigem Schnauzer in Empfang, ein Art geerdete Version von Rudolph Mooshammer – mein Chef. In epischer Breite berichtete er zunächst von seinen Ferien auf Gran Canaria, wo er beinahe ertrunken war, als er – als Nichtschwimmer – im knietiefen Wasser eine Panikattacke erlitten hatte, weil er seine Schwimmflügel nicht angelegt hatte. Ich wusste sofort, hier würde es mir gefallen.

Der prima erste Eindruck soll bleiben

Wer nicht auf die Herzlichkeit Schwimmflügel tragender Chefs vertrauen mag, kann einiges beachten, damit der erste Tag im neuen Job ein guter Tag wird. Ich selbst hatte Sonntagabend noch überlegt, einige Bleche Cupcakes zu backen – wahrscheinlich eine Übersprungshandlung. Schließlich werden nur die vollkommen Abgebrühten komplett sorglos am ersten Tag ins neue Büro spazieren – immerhin gilt es, ein Feuerwerk an Multitasking abzubrennen: einen prima ersten Eindruck machen, beziehungsweise den prima ersten Eindruck vom Bewerbungsgespräch nicht gleich wieder ruinieren; sicherstellen, dass die übermütigsten Bluffs im Lebenslauf („Verhandlungssicheres Französisch; Profikenntnisse in HTML“ etc.) nicht auffliegen; den neuen Kollegen einimpfen, dass man wirklich eine tolle, witzige und kluge Bereicherung für das Team ist.

Freundliche Zurückhaltung statt Cupcakes

Was also ist zu tun? Jedenfalls keine Cupcakes backen, urteilen die einschlägigen Karriereratgeber: Denen zufolge sollte man nämlich nicht mit großem Tamtam, sprich mehreren Blechen Törtchen, sondern freundlich-zurückhaltend am neuen Arbeitsplatz erscheinen. Selbstverständlich pünktlich und in angemessener Kleidung – lieber over- als underdressed. Klingt soweit selbstverständlich. Davon abgesehen gibt es aber durchaus ein paar Tipps, die es einem ein bisschen einfacher machen, sich in der „Ich bin übrigens der/die Neue“-Rolle wohlzufühlen:

  1. Sich vorbereiten. Es schadet nicht, sich beispielsweise auf der Website des neuen Unternehmens darüber zu informieren, wer für was zuständig ist und an welchen Projekten die neuen Kollegen gerade arbeiten.
  2. Kleine Missgeschicke akzeptieren. Die Klassiker: Am ersten Tag auf dem Rückweg vom Toilettengang erst mal verloren gehen oder beim Meeting aus Versehen auf dem Chefsessel Platz nehmen. Das ist aber garantiert auch schon anderen passiert – nicht ärgern.
  3. Nicht traurig sein, wenn die Kollegen am ersten Tag nicht gleich fragen, ob man mit zum Mittagessen kommt – die müssen sich schließlich auch erst daran gewöhnen, dass sich das soziale Gefühle des Teams wieder ein bisschen geändert hat.
  4. Nicht gleich loskumpeln („Hi Leute, ich bin übrigens die Biggi“), sondern mit vollem Namen vorstellen und erst mal herausfinden, wie der Ton im Unternehmen ist, wer wen duzt beziehungsweise siezt.
  5. Es kann nicht schaden, sich Notizen zu machen, wenn man vom Kollegen das Mail-Programm oder Ähnliches erklärt bekommt – es kommt nämlich nicht so gut, zwei Monate später immer noch verzweifelt mehrmals täglich bei der IT-Crowd anzurufen, weil schon wieder eine Mail verschollen ist.
  6. Hilfreich: Sich eine Art Mentor für die Nebensächlichkeiten suchen, die in Wirklichkeit entscheidende Fragen sind: Wie lange ist Mittagspause? Wer kocht den Kaffee für wen? Wer geht mit wem Mittagessen?
  7. So ein Büro ist ein unübersichtliches Knäuel aus Seilschaften, kleinen Intrigen, großen Enttäuschungen, offenen Sympathien und geheimen Rivalitäten. Da sollte man nicht voreilig hineingeraten oder sich aus Versehen schon positionieren, bevor man überhaupt weiß, was läuft – also erst mal nett sein zu allen und auf keinen Fall bei Lästereien mitmachen.
  8. Fehler passieren in der Anfangszeit: Besser nicht unter den Teppich kehren und hoffen, dass es keiner merkt, sondern lieber dazu stehen – und Hilfe anbieten, falls es jemand anders ausbaden muss.
  9. Falls der Einstand gefeiert werden soll, nicht übertreiben und damit womöglich das 50. Dienstjubiläum vom Seniorchef mittels Schokobrunnen, Karaokemaschine und Sektpyramide in den Schatten stellen.
  10. Nicht in alten Zeiten schwelgen: „Also wir bei xy haben das ja immer so gemacht....“
  11. Nicht die alten Zeiten schlecht machen: „Puh, ich bin ja echt froh, dass ich endlich aus der Klitsche raus bin...“
  12. Nicht gleich am Anfang übereifrig wirken: „Och, ich bleib noch ein, zwei Stündchen, schönen Abend!“ oder „Ist doch voll Old School, ich hätte da voll die gute Idee...“ - übermäßiger Tatendrang macht einen schnell zum Streber und schafft argwöhnische Kollegen.
  13. Nicht gleich am Anfang privat werden: In den ersten Tagen über den aktuellen Beziehungsstatus, Erziehungsprobleme mit dem kleinen Rotzlöffel oder Migräneprobleme zu informieren, schafft womöglich eine unangemessene Nähe.
  14. Leerlauf ertragen: Kann sein, dass die ersten Tage etwas zäh laufen, wenn erst ein  Emailaccount eingerichtet oder überhaupt ein funktionierender Dienstrechner aufgetrieben werden muss...entspannt bleiben, anstrengend wird es noch früh genug.
  15. Sich eine kleine Selbstpräsentation zurechtlegen – kann gut sein, dass man am ersten Tag aufgefordert wird, sich mal kurz vorzustellen, da wäre es doch schön, wenn außer „Ich bin Lisa und neu hier“ noch ein bisschen mehr käme – zum Beispiel, was man vorher gemacht hat und warum man sich auf den neuen Job freut. Also vielleicht ungefähr so: „Ich bin Lisa und habe die letzten Jahre als freie Journalistin und Autorin für viele Zeitungen, Magazine und Onlinemedien geschrieben, außerdem einige Bücher veröffentlicht – und freue mich sehr darauf, gemeinsam mit meinen neuen Kollegen EDITION F weiterzuentwickeln und spannende Themen rund um Politik und Gesellschaft, Job und Karriere zu entdecken und über sie zu schreiben.“