Social Entrepreneurs to Watch 2015: The Year in Review

Was ist eigentlich aus unseren 'Social Entrepreneurs to Watch 2015' geworden?

by Julia Wegner, December 21, 2015

Im Januar 2015 haben wir in unsere Crystal Ball geschaut und versucht zu prophezeien, welche SozialunternehmerInnen 2015 die spannendsten Dinge tun würden. Das waren vor allem diejenigen, die uns schon inspiriert hatten - obwohl sie damals gerade erst am Anfang gestanden haben - und unserer Meinung nach den Social Entrepreneurship in Deutschland vorantreiben würden. Unsere Social Entrepreneurs to Watch 2015.

Zum Jahresende wollen wir jetzt nochmal nachhorchen, ob wir denn Recht hatten und haben sie deswegen gebeten uns zu erzählen, wie ihr Jahr 2015 gelaufen ist. Was kann in einem Jahr als SozialunternehmerIn alles passieren? Was kann man erreichen aber wo liegen vielleicht auch ganz ehrlich und offen Hürden und Probleme? Es folgen ihre Antworten. WOW.

Waldemar Zeiler - einhorn & Entrepreneur's Pledge

waldemar

Einhorn hat jetzt ein Team von 8 MitarbeiterInnen und in diesem Jahr fast 500.000 nachhaltige Kondome verkauft. Das heißt für Einhorn, dass die Zahlen nicht weit von der schwarzen Null entfernt sind. Dazu wird Einhorn schon in über 100 Einzelhandelsgeschäften und Online-Shops angeboten. Durch die ausgefallene Marketing Strategie wurde auf so gut wie jedem TV Kanal, in allen Zeitungen und im gesamten Rundfunkbetrieb Deutschlands (mittlerweile auch viel im Ausland) über Einhorn berichtet. Gemeinsam mit der Universität Hohenheim werden 4 Studierende auf ein Biodiversität Projekt in Malaysia geschickt. Für 2016 ist dann die multinationale Expansion geplant, zum Beispiel nach Amerika. Und es sind bereits weitere Fernseh-Auftritte in Deutschland und Amerika geplant.

Auch für das Entrepreneurs Pledge gibt es gute Nachrichten. Der erste Summit fand im Sommer statt und der zweite ist schon für das Frühjahr 2016 geplant. Bisher haben von den geplanten 100 Signataren für 2015, 84 zugesagt. Es bleibt also Luft nach oben. Trotzdem sind die Ziele für nächstes Jahr hoch gesteckt. 10% der Signatare sollen jedes Jahr ihr Versprechen einlösen und ein Sozialunternehmen gründen. 

Nele Kapretz - Impact Hub Berlin

nele

Wir sind dieses Jahr in die Friedrichstraße umgezogen und haben so unsere Fläche verfünffacht. Das war auch notwendig, denn mittlerweile haben wir über 120 Mitglieder- darunter die GIZ, die Siemens Stiftung, Avaaz und viele großartige Start-ups. 

Darüber hinaus haben wir die Impact Academy Climate in 26 Universitäten deutschlandweit durchgeführt und in einem spannenden Finale die zwei Gewinnerteams gekürt. Auch unsere einwöchige Summer School mit Gründern aus Russland, Belarus und der Ukraine war super interessant. 

Auch spannend war natürlich, dass wir zum einen die Zusage für das Globale Impact Hub Netzwerktreffen 2017 bekommen haben, als auch den US Botschafter zu Besuch hatten. 

Christian Kroll - Ecosia

christian

2015 war ein Jahr, in dem es für Ecosia richtig vorwärts ging. Das gilt für das Team, aber auch unsere Nutzerzahl und den monatlichen Betrag, den wir spenden konnten. Ende 2014 hatten wir unser Geschäftsmodell geändert. Seit unserer Gründung im Dezember 2009 wurden ursprünglich 80% aller monatlichen Einnahmen gespendet, da blieb nach den Spenden nie viel Luft für aufwändige Features oder neue Team-Mitglieder. Jetzt decken wir von unseren monatlichen Einnahmen erst Kosten wie Büro-Miete, Hosting- und Server-Kosten und bezahlen alle Kollegen. Vom Gewinn spenden wir dann mindestens 80% an unser Aufforstungsprogramm, der Rest wird angelegt um auf aufwändige Features sparen zu können und einen finanziellen Puffer zu haben. Wir konnten im Sommer zum Beispiel eine neue Version unserer Suche veröffentlichen, die mehr als 30% schneller ist als die vorherige. Zur Übersicht können alle einen Blick in unsere öffentlichen Monatsberichte und Spendenbelege werfen.

Dass wir 2015 mehr finanziellen Spielraum, vor allem auch für Verbesserung der Suche und neue Features hatten, macht sich jetzt richtig bemerkbar. Die Zahl unserer Nutzer ist gestiegen und damit auch die Summe der Spenden, die wir jeden Monat an unsere Partnerorganisation überweisen können. Während wir bis Ende 2014 insgesamt eine Million Bäume pflanzen konnten, haben wir 2015 die zwei und sogar die drei Millionen Grenze geknackt. Seit unserer Gründung 2009 bis November dieses Jahres sind mehr als 5 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen!

Unser Team ist dieses Jahr um drei Mitarbeiter gewachsen. Wir sind jetzt elf Leute und man merkt, dass das bestimmte strukturelle und organisatorische Änderungen nötig macht, mit denen wir nicht unbedingt gerechnet hätten. Klar, wir sind im Sommer in ein größeres Büro gezogen, das war absehbar. Aber was für uns spannend war: Bestimmte Meeting-Formate, die mit drei bis sieben Leuten gut funktionieren, kann man mit elf Leuten nicht mehr so einfach abhalten. Mit fünf Kollegen lässt sich ausführlich diskutieren, bei zehn aufwärts findet man kein Ende, vor allem, weil wir alle so verschieden sind und dennoch die Meinung jedes einzelnen berücksichtigen wollen. Eine der drei neuen KollegInnen aus 2015 ist unsere Happiness Officerin. Sie hat es nicht immer einfach dafür zu sorgen, dass alle sich wohl fühlen. Mehr Mitarbeiter bedeutet mehr Input und Energie. Das ist super, muss aber auch irgendwie in die richtigen Kanäle geleitet werden. Das ist bei fünf Leuten leichter als bei elf.

2015 war auch das Jahr, in dem wir so richtig sehen konnten, wie viel Gutes wir mit unserer Zusammenarbeit mit WeForest erreichen können. Wir hatten Ende 2014 angefangen die belgische Organisation zu unterstützen um mit ihrer Hilfe Wüste in Wald zurückzuverwandeln. 2015 wurden die ersten "unserer" Bäume in Burkina Faso gepflanzt und der Effekt ist bereits sichtbar. Regelmäßig neue Bilder, Videos und Karten von unseren Pflanzgebieten zu bekommen, motiviert uns extrem. Neulich kam ein Interview mit Menschen aus den lokalen Gemeinden, die in das Pflanzprojekt einbezogen werden. Die fanden das, was wir machen, richtig gut und freuen sich auf den positiven Effekt, den die Bäume auf die Landschaft und vor allem auch auf ihr Leben haben wird. 

Das Fazit: 2015 war sehr aufregend und es sind viele tolle Dinge passiert, die uns weit nach vorne gebracht haben. An diese Energie würden wir 2016 gerne anknüpfen und unserem Ziel bis 2020 eine Milliarde neuer Bäume gepflanzt zu haben, noch näher kommen. 

Ekaterina Karabasheva - Jourvie

ekaterina

Highest Highs

1. Launch der Android-App - wir haben unsere App im Januar 2015 gelauncht und erfreuten uns bisher großen Interesses seitens der Nutzer und Nutzerinnen. Aber auch Therapeuten melden sich bei uns, die die App nutzen wollen.

2. Aspirin Sozialpreis - Wir haben den ersten Preis beim Aspirin Sozialpreis der Bayer Cares Foundation erhalten – eine tolle Anerkennung für unsere Arbeit bisher und eine Ermutigung, weiterzumachen!

3. EU-Projektförderung - Im Rahmen des CHEST Programms (Collective enHanced Environment for Social Tasks) haben wir eine Förderung bekommen, die uns erlaubt, das Team zu erweitern, die iOS-Version unserer App zu entwickeln und uns europaweit noch stärker aufzustellen

4. Partnerschaften mit Kliniken - Durch die verstärkte Präsenz im wissenschaftlichen Umfeld haben wir noch mehr Kontakte zu Kliniken und Therapeuten aufbauen können, was der Grundstein für die nächsten Schritte und für die Einbettung der App in den Therapieprozess ist.

Lowest Lows:

  1. Pressearbeit – Wir konnten uns dieses Jahr über ein großes Presseecho freuen. Leider haben wir aber auch die Erfahrung gemacht, dass einige Medien nicht wirklich über Lösungen berichten wollen, sondern den Fokus eher auf dem Problem – Essstörungen – legen und dieses mit klischeehaften und mitleiderzeugenden Stilmitteln vermitteln wollen. Das wollen wir in Zukunft verbessern.

 Learnings

  1. Erwartungen an den Markt – Der Gesundheitsmarkt ist sehr stark reguliert und man muss viele Richtlinien und Prozesse berücksichtigen. Unter anderem aus diesem Grund entwickeln sich einige Sachen sehr langsam und man muss darauf vorbereitet sein.
  2. Starke Partner - Wir sind in Gesprächen mit Krankenkassen und diskutieren über eine mögliche Zusammenarbeit. Das kann sich in finanzieller Unterstützung äußern, aber auch im Wissens- und Erfahrungsaustausch oder im Zugang zu bestimmten Netzwerken und Experten. Bei solchen Vorhaben braucht man als junges Start-up auch starke Partner, damit man gemeinsam die Vision erreichen kann.

Simon Köhl - Serlo

simon

Highlights
- 2015 haben wir 2,35 Millionen Menschen mit Serlo erreicht, darunter 460.000 SchülerInnen, die wir intensiv beim Lernen unterstützen konnten.
- Unser Team hat sich verdoppelt auf nun 50 Haupt- und Ehrenamtliche mit neuen Standorten in Berlin, Leipzig, Münster und Cambridge.
- Mithilfe einer Förderung der EU-Kommission können wir nun den neuen Fachbereich "Deutsch als Fremdsprache" aufbauen und Geflüchtete bei der Integration unterstützen.
- Wir sind erfolgreich mit unsere Softwareentwicklung-Ausgründung Ory GmbH gestartet, haben erste Kunden und unerwartet viel Aufmerksamkeit in der Open Source Community
- Die englische Version von Serlo ist online!

Lowlights
- Die Anbindung an öffentliche Schulen gestaltet sich als schwierig, weil Technologie, Innovationsbereitschaft und Zeit fehlt.
- Das Antragsfundraising war zwar insgesamt erfolgreich, raubt aber der inhaltllichen Arbeit wertvolle Ressourcen

Christoph Müller-Dechent - Foodloop

christoph

Highest highs:

  • Product development advancement with added local deals, standardized API, personalized coupons, gamified co2 and nutritional facts based on digital receipts.
  • Expansion to San Francisco with 2 customers already
  • An even more intrinsic motivitated tech geek joined our team as new CTO
  • Nominated for the Next Economy Award under the umbrella of the DEUTSCHER NACHHALTIGKEITSPREIS
  • We found a solution partner that will allow even the smallest kiosk to join FoodLoop

Lowest lows:

  • Big challenge of building the killer app takes longer than anticipated to make retailers, users and ourselves happy.
  • Pilot Delay with NATURATA in Germany with the scheduled launch officially in early 2016.
  • Our valuable CTO sadly left due to an irresistible offer.

Learnings: 

  • Focus on things you are good at. For foodloop that is being digital, local, personalized and sustainable.
  • What the user and the EU want is not necessarily natural in the real market. There is a lot of pioneering work and explanation to be done here to pick up the dealers at the doorstep.  Our pitch for example is no longer based on the food waste concept, despite it being the economically and environmentally most meaningful aspect.
  • Our aim to have FoodLoop worldwide by 2020 is ambitious but doable. It’s all about getting rid of those barriers in consumers’ and dealers’ heads.
  • Standards let you achieve you goal fasters – be it Barcodes, IT-interfaces or label printers – long live ISO norms. 

Dr. Frank Hoffmann - Discovering Hands

frank

First off, a big achievement is that Discovering hands won the 2015/2016 StartSocial Scholarship and Frank received the BSVN’s (West German blind and visually impaired people’s association) Gold Medal.

In terms of training and employment, the first 4 Austrian MTEs were successfully trained and passed their exams (they’re currently doing their internships in Vienna and will start working in early 2016). We also trained 3 Colombian MTE-trainers in September and October. We have also found employment for all of our 4 new MTEs from our last course in Nuremberg (the exam was in November). The next course will start in February. An assessment for the candidates participating in the course has already been successfully conducted.

In terms of expansion the pilot project for Latin America started in Cali, Colombia in November. It’s called “Manos que salvan vidas” and is in collaboration with the Latin American Development Bank CAF, and a number of local stakeholders. We have selected 5 Colombian- and 1 Mexican candidate for the first course in November and are currently preparing them for the course, which will start on December 21. Also, a large-scale clinical study will be conducted at 5 different public hospitals here in Cali in 2016. We’re expecting the publication of the results by mid-2016. Depending on the success of the pilot, a Latin American roll-out is being planned.

Next year we will also expand to India with the support of the Bayer Cares Foundation. In West-Germany, we are going to open a second discovering hands Center in 2016. And we are planning various assessments to fill further courses next year. And finally, in order to grow even further, Discovering Hands now has a new CEO for the German Service Ltd.: Arndt Helf - an experienced Entrepreneur who will be leading the company together with Frank.

    Anne Kjaer Riechert - Kids Have a Dream, Stanford Peace Innovation Lab Berlin

    anne

    Foto: IDEO/ Bedsider

    Peace Innovation Lab is continuing to grow. We are now 1500+ members and continue to organise co-creation workshops every month. Our innovation sprint to improve the lives of refugees in Berlin resulted in 4 projects getting launched. Re:start and Refugees on Rails being two of those. Re:start helps refugees (aka newcomers) in Berlin to set up their own projects and / or innovative business ideas. Refugees on Rails is a coding school for refugees, with the aim to help refugees build and expand their qualification as software developers and provide them the opportunity to work with startups and tech companies. The latter was even just awarded by "2015 Nominet Trust 100”  as one of four projects to help refugees. 

    The Peace Innovation Lab has also partnered with Migration Hub to organise monthly workshops (every first Thursday in the month) where refugee projects can share best practise and brainstorm solutions together with volunteers. Everyone is invited to join!

    Kids have a dream is also growing. This year I have helped organise 10 workshops amongst HIV positive kids in Brasilia, refugee kids on the Turkish border to Syria,  refugee kids in Berlin, youth in Senegal, in Tromsö, Skt . Peterburg, Delhi and Capetown. 

    Wir sind mehr als beeindrückt und überglücklich, dass alle tatsächlich scheinbar ein fantastisches Jahr hinter sich haben. Social Entrepreneurship in Deutschland ist so was von am Start!

    Now who's going to make the list for 2016?! If you know someone who you think should be on the list, send us a mail at content@thechanger.org 

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