Fünf Tipps für den Wechsel in den sozialen Sektor

Viele von uns wollen sich verändern, UM etwas zu verändern. Wir wollen Gutes tun. Aber wie?

by Anna Kümmel, April 4, 2017

Dieser Artikel erschien ursprünglich im März 2016. 

Viele von uns wollen sich verändern, UM etwas zu verändern. Es reicht uns nicht mehr einfach einen Job zu haben, wir möchten voll und ganz hinter diesem Job stehen. Wir wollen Gutes tun. Aber wie?

Ich habe meinen eigenen Weg gefunden. Leicht war es nicht. Ein paar Tipps haben mir zum Job mit Sinn geholfen und die möchte ich teilen.

Hier eine kurze Übersicht:

  • Bilde dich weiter
  • Überdenke deinen Lebensstil
  • Mach dir bewusst, was dich erwartet
  • Bewirb dich richtig
  • Netzwerken!

Aller Anfang ist schwer

Wie die meisten von euch, habe auch ich meine Karriere nicht in einem sozialen Beruf begonnen. Ich war zunächst Marketing Managerin in einer Internetagentur und hatte dort bereits mit Anfang zwanzig viel Freiraum und viel Verantwortung. Und trotzdem merkte ich nach ein paar Jahren, dass das auf Dauer nicht passt. Nicht, weil der Job schlecht war, sondern weil es Dinge da draußen gibt, die ich ändern will. Ein Drang, grundlegendere Probleme anzugehen. Was genau, wusste ich nicht. 

Mein Weg von der Agentur zum Sozialunternehmen war nicht geradlinig – und auch nicht leicht. Der erste Schritt war es, mir bewusst zu werden, was ich will. Zunächst merkte ich nämlich nur, dass etwas nicht stimmte, wusste aber nicht, was es war. Traut euch die beruflichen Scheuklappen abzunehmen und völlig neu zu denken, was ihr arbeiten wollt.

Den Horizont erweitern

Besucht Kurse zur beruflichen (Um-)Orientierung – die IHK ist dabei zum Beispiel eine gute Anlaufstelle. Lest Blogs und Artikel darüber, wie andere ihren Traumjob finden – zum Beispiel bei The Changer – und lasst Euch inspirieren. 

Auch ehrenamtliches Engagement in der Freizeit bietet Orientierung. Ich habe mit interessanten Leuten an einem Projekt für städtische Willkommenskultur und später in einer Flüchtlingsunterkunft gearbeitet. Zwar darf das Engagement nicht zur Überlastung werden, aber wer sich verändern will, muss die Fühler ausstrecken.

Bei mir führte die Recherche dazu, dass ich mich zunächst zu einem nebenberuflichen Masterstudium entschloss: Non-Profit-Management an der TU Kaiserslautern. Der Studiengang wird als Fernstudium angeboten. Ich kann das sehr empfehlen, weil es grundlegendes Wissen vermittelt, wie soziale Unternehmen arbeiten. Natürlich muss es nicht gleich das Masterstudium sein. Eine Fortbildung oder ein Seminar bieten ebenfalls einen Einblick in die neue Branche.

Dabei festigte sich zwar mein Ziel, in einem gemeinnützigen Unternehmen zu arbeiten, aber die innere Unruhe blieb. Das Heilmittel dagegen? Reisen

Wenn, dann richtig

Meine persönliche Empfehlung für einen Neuanfang: Wenn, dann richtig. Ich kündigte nicht nur meinen Job, sondern verkaufte auch fast all meinen Besitz und ging WWOOFen (Arbeit auf ökologischen Bauernhöfen weltweit). Das ist euch zu extrem? Kann ich verstehen, aber dann denkt mal über eine „Light-Variante“ nach. WWOOFen kann man auch für nur einige Wochen. Nichts macht den Kopf so frei, als weit weg von zu Hause Karotten zu ernten. 

Auf einer Farm auf Hawaii erhielt ich die Gelegenheit, ein Projekt mit den Kindern eines Obdachlosenheims zu machen, das von den Besitzern betrieben wurde. Und da war es wieder – das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Natürlich braucht nicht jeder solche Umwege, um seinen Job mit Sinn zu finden. Wer bereits klar weiß, wie sein Traumjob aussieht, der kann direkt in der Bewerbungsphase starten. Ich hätte ohne diese „Vorarbeit“ nicht genau gewusst, wohin es mich zieht.

Erwartungsmanagement

Branchenwechsler müssen sich rechtfertigen – das gilt auch für die Sozialbranche. Es ist nicht so, dass alle Stiftungen, NGOs, Wohlfahrtsunternehmen und gGmbHs nur darauf warten, dass Bewerbungen von Quereinsteigern mit guten Qualifikationen bei ihnen auf den Tisch flattern. Oft ist ein großes Netzwerk in der Branche gefragter, als die fachliche Kompetenz aus dem alten Job.

Bereitet euch darauf vor, die Frage, warum ihr in den (häufig schlechter bezahlten) sozialen Sektor wechseln wollt, ausführlich und überzeugend zu beantworten. Und findet starke Argumente, die euer mangelndes Netzwerk in der neuen Branche aufwiegen.

Clever bewerben

Häufig denkt man an die großen Player, wenn es um einen Job mit gesellschaftlichen Mehrwert geht. Die großen Stiftungen und bekannten NGOs. Meine Erfahrung ist, dass es sich lohnt, nach kleineren, weniger bekannten Sozialunternehmen zu suchen. Oft stehen genau diese Quereinsteigern offener gegenüber und schätzen das Know-How, das eine Umsteigerin aus der Wirtschaft mitbringt.

Ich habe in Branchenverzeichnissen recherchiert, mich bei verschiedensten Newslettern angemeldet und passende Magazine abonniert. So erhielt ich viele Informationen, die mich auf Jobs aufmerksam machten und ich erweiterte gleichzeitig meine Branchenkenntnis.

Networking - früh übt sich

Wichtig beim Einstieg in eine neue Branche sind natürlich vor allem die Menschen, die dort arbeiten. Insbesondere in Berlin, aber auch in anderen größeren Städten gibt es eine rege Szene von SozialunternehmerInnen, die Interessierten gegenüber offen sind. Wenn ich über meine zahlreichen Newsletter von einem Vortrag oder einem Get Together mitbekam, dann ging ich hin. Dort konnte ich die Geschichten von Menschen hören, die bereits dort arbeiten, wo ich hin wollte. Solche Treffen motivieren sehr und vielleicht ergibt sich ja der ein oder andere Kontakt, aus dem mehr wird. Bei mir war es so. Ich erfuhr auf einem Event von On Purpose – und heute bin ich Teil des Programms.

Wie ist es auf der „anderen Seite“?

Bei On Purpose erhalte ich die Gelegenheit, innerhalb eines Jahres gleich in zwei sozialen Unternehmen zu arbeiten. Im Moment arbeite ich bei der wellcome gGmbH in Hamburg. Dort bin ich Projektmanagerin bei der Erstellung eines Online-Portals für Mütter und Väter. Diese Arbeit macht mir inhaltlich und fachlich viel Spaß. Ich kann die Online-Expertise aus meinem alten Job einbringen, um junge Familien auf moderne Art und Weise zu unterstützen. Das fühlt sich richtig gut an. 

Über die Autorin

Anna Kümmel

Anna Kümmel ist Associate bei On Purpose Berlin, einem einjährigen Leadership-Programm für soziales Unternehmertum. Anna hat Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und als Marketing-Managerin in einer E-Commerce Agentur gearbeitet.