A Day in the Life of... Social Impact Lab Leipzig

Im Juli 2014 eröffnete das Social Impact Lab in Leipzig, wir waren vor Ort.

by Naomi Ryland, October 7, 2014

Social Impact Lab. Größter (äääh einziger!) Inkubator für Sozialunternehmer in Deutschland. Soweit so gut. Wir wollten aber etwas mehr herausfinden. Was ist ein Inkubator für Social Business? Was bringt das? Wer sind die Unternehmer/innen, die hier acht Monate ohne Finanzierung ackern? Nach einem Video Interview mit dem Vater des Ganzen und einem Podcast mit Frankfurter Stipendiatinnen haben wir Blut geleckt und haben uns (wortwörtlich) auf die Reise begeben. Nach Leipzig ins neueste Lab des Landes. Dort erfuhren wir was die Sozialunternehmer in Leipzig so bewegt, welche Hürden man überwinden muss und was ein Sozialunternehmen eigentlich ist.

Social Impact Lab Leipzig

Das Social Impact Lab Leipzig ist ein Sommerbaby, seit Juli 2014 kann man hier an seiner Idee arbeiten. Das Lab wird von der Drosos Stiftung finanziert und ist konzeptuell ähnlich wie in Berlin.

Alle 8 Monate kann man sich als Sozialunternehmer, um eines der begehrten Stipendien bewerben. Erst einmal schriftlich, dann wird gepitcht. Eine Jury aus Social Impact Lab Menschen und den Förderern wählt die “Gewinner” aus. In der ersten Runde wurden 6 Teams ausgewählt und Ende November noch mal 8. Es füllt sich also. Und das kann es ruhig. Beim Eintreten der Räumlichkeiten merkt man einen deutlichen Preis-Unterschied von Immobilien in Berlin und Leipzig…

Social Impact Lab Leipzig

Die Stipendiatinnen und das Lab

"Ich weiß nicht warum jemand heutzutage gründen würde nur um Geld zu verdienen. Wenn man gut verdienen will, kann man ganz entspannt seinen Job bei Porsche um die Ecke machen. Man gründet doch aus einer Leidenschaft heraus, irgendwas zu bewegen. Man kann nicht leidenschaftlich über Geld sein. Schlimm. Wie kann ich jeden Tag aufstehen, wenn ich nur durch das Geld motiviert werde." Martin, dreiklang.

Der Social Impact Lab in Leipzig ist riesig und hell. In einem alten Fabrik Geländes aus rotem Backstein sitzend, geniesst man den Blick auf den Kanal. Im Obergeschoß gibt es einen riesigen offenen Seminarraum // Esszimmer mit Chill-Bereich, wo man sich auf Beanie Bags gedanklich ausruhen kann. Im Erdgeschoss gibt es eine kleine Küche, einen Meeting Raum und den Empfang geleitet von Christin und Markus - jeweils “Host” und “Standortleiter”. Und im Untergeschoß befindet sich ein großer, offener Raum mit Schreibtischen für die Teams.

Social Impact Lab Leipzig Ausblick

Die ersten “Labber”, die ich kennenlerne sind Sophia und Susanne. Sophia kommt vom Verein Helden Widerwillen - ein Kunst- und Kulturverein aus Leipzig mit langer Geschichte. Sie möchte ein Hotel ausgründen, womit sie eine Residency für Künstler, Wissenschaftler und Techies finanzieren können. So können schlaue Menschen interdisziplinär, unkompliziert und kostenfrei an den schwierigsten Problemen der Welt arbeiten und das Ganze wird von Gästen aus aller Welt ergänzt und ermöglicht. So was gibt es anscheinend in dieser Form noch nicht, und in Leipzig soll es bald das Erste geben. Sie sind im Lab, um zu lernen, wie man aus einem Verein ein Business macht und um sich mit lokalen Kooperationspartner zu vernetzen, wie z.B. Susanne von “Ein Tag für Kinder”.

“Ein Tag für Kinder” entsprang eigentlich auch aus einem Hobby Projekt von zwei Freundinnen, die über deren Event Agentur Veranstalter des Leipziger Kindertags geworden sind. Seit 2009 kommen jedes Jahr 18.000 junge und ältere Besucher zusammen. Sie spielen, werden vom Gesundheitsamt ausgebildet, können bei Sportvereinen reinschnuppern und kreative Projekte ausprobieren. Kinder haben Spaß. Eltern werden entlastet. Mit dem neuen Projekt “Ein Tag für Kinder” wollen sie regelmäßige Tagesangebote für benachteiligte Kinder schaffen. “Ach da fällt mir gerade ein. Wir haben über unseren Verein Kindertheater Tickets erhalten für Sonntag. Wenn ihr Interesse daran habt, könnt ihr sie gerne haben” sagt Sophia plötzlich. So schön unkompliziert kann das Netzwerken in einem solchen Umfeld funktionieren.

Susanne fand das “Idea Reframing” am Bereicherndsten bisher. In einem drei-tagelangen Workshop arbeitet jeder mit einem Expertenblick und einem theoretische Framework aus den BWL Büchern an seiner Idee. Hier kann man seine Annahmen feststellen und ggf. über Bord werfen. Man hat die Möglichkeit tief einzutauchen und sich - bevor es zu spät ist - mit kritischen Fragen  auseinanderzusetzen.

Dreiklang, Tutory und Anyfit finden die Möglichkeit mal das ganze Team in einem Büro zu haben besonders wertvoll. Home Office macht keinem hier so richtig Spaß,  insbesondere wenn das Team größer wird. Einen Platz zu haben, wo man die ersten Produkt Foto-Shootings machen kann aber auch wo man das Gefühl hat, da ist man nicht ganz alleine mit seinen Problemen, ist für viele der Stipendiaten Gold wert.

Social Impact at work

Dreiklang, Tutory und Anyfit haben aber sonst echt nicht viel gemeinsam - würde man denken. Die Jungs von Dreiklang versuchen die lokale Textilwirtschaft wieder anzukurbeln und bieten sehr coole bio, fairtrade T-Shirts an, die alle in einer alten Textilfabrik in Leipzig (die sicherlich sonst Pleite gegangen wäre) hergestellt werden. Eine erste erfolgreiche Crowdfunding Kampagne haben sie schon hinter sich. Die schönen Pakete werden im Moment zum Teil von den Jungs selber in Leipzig, Berlin und Dresden ausgeliefert. Eine sehr schöne, sympathische und wirkungsvolle Aktion. Tutory wiederum möchte eine Wikipedia für kostenfreie und lizenzfreie Lernmaterialien für Lehrer bauen. Und Anyfit baut eine App mit niedrigschwelligen Sport- und Freizeitangeboten, damit jeder raus aus dem Haus und ins soziale und aktive Leben kommt. Mode, Lernen und Sport mit einem sozialen Ansatz.

Heldenküche und BonBon Fabrik sind eher aus einer anderen Ecke - klein, fein aber dafür mit einem starken Fokus auf die Community. Claudia möchte mit Heldenküche ein Bewusstsein für nachhaltiges Leben und Essen durch gemeinsames Kochen ermöglichen und zwar mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen, von Flüchtlingskindern bis hin zu Geschäftspersonen. Von den Letzteren finanziert sie das Ganze und mit den Ersten kann sie das dann kostenlos machen. Am Liebsten möchte sie aber alle an einem Tisch zusammenbringen.  Beide sind davon motiviert, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Geld dabei zu machen ist eher Mittel zum Zweck.

Was macht ein Sozialunternehmen?

Die Teams haben nicht nur unterschiedliche Inhalte, sondern eben auch unterschiedliche Motivationen. Bei vielen der Businesses geht es vor allem darum, ein gesellschaftliches Problem mit einem Geschäftsmodell zu lösen (welches im besten Fall so gut funktioniert, dass alle Stakeholder fair bezahlt werden können). Das Anyfit Team hat andererseits eher eine Marktlücke entdeckt (Fitness Centre brauchen Kunden - viele Kunden wollen jedoch auf keinen Fall Verträge abschließen - sie bringen die beiden Gruppen zusammen) und möchte ein Business aufbauen, das schön sozial ist. 20% der Gewinne sollen in gemeinnützigen Projekte (wie Ein Tag für Kinder) fließen. Es wurde anscheinend oft und hitzig darüber diskutiert ob Spenden tatsächlich ein Social Business ausmachen können. Die Jungs sind der festen Überzeugung es sei so. Sie hätten so letztendlich die Möglichkeit viel mehr zu bewegen als jemand, der ganz klein und lokal mit nur vereinzelten Menschen was macht… Ein schwieriges Thema, worüber man sich in der Welt des Sozialunternehmertums anscheinend noch nicht einig ist.

Funding eines Sozialunternehmens

Flipchart

Geld ist natürlich auch ein Thema bei den Stipendiatinnen im Lab. Ab dem 4. Monat können die Teams einen kleinen Zuschuss beantragen (bis zu 800 EUR), welche den Lebensunterhalt unterstützen soll. Viele arbeiten oder studieren nebenbei und sind dementsprechend nicht so oft im Co-Working Space. Das führt zur Frustration bei manchen Stipendiaten und bremst sicherlich den Networking  und Community Effekt aus. Sozialunternehmer können aber auch nicht nur von Office Space und Beratung leben. Obwohl die Studenten unter ihnen natürlich einen klaren Vorteil haben: “Na, wir skalieren das Studieren halt zurück” antwortet Einklangs Martin ganz trocken auf die Frage, wie das Kombinieren vom Studieren und Gründen überhaupt gehen soll.

Aber Sozialunternehmer zu sein hat auch manchmal seine Vorteile. Der Name Social Impact Lab - auch wenn man immer noch erstmal erklären muss, was es genau ist - öffnet Türen. “Wenn potentielle Kunden und Partner hören, wir machen irgendwas mit “Social” machen sie einen Terminvorschlag. Auch da wo man sonst, als normaler Unternehmer, Schwierigkeiten hätte einen Termin zu bekommen”. Es ist aber auch eine große Hoffnung von Christin, Host des Social Impact Labs, dass man bald nicht mehr erklären muss, was das Social Impact Lab ist. Wir wollen die Anlaufstelle für alle Menschen sein, die weltverändernd denken.  Es scheint auch so, als wären sie auf einem guten Weg.