Social App als Unterstützung zur Therapie für Essstörungen?

Interview mit Ekaterina Karabasheva.

by Nicole Winchell , June 19, 2014

In unserer Interviewserie sprachen wir mit Ekaterina Karabasheva, PEP Stipendiatin und Gründerin von Jourvie, einer APP zur verbesserten Therapie von Menschen mit Essstörung. Im Interview berichtet Ekaterina von ihren persönlichen Erfahrungen und was sie dazu motivierte Jourvie zu gründen. Außerdem erklärt sie welchen Einfluss das Ashoka PEP Stipendium auf die Gründung hatte und was sie anderen Social Entrepreneurs raten würde...

Update: 13.1.2015 - Jourvie ist ab jetzt im Google Play Store!

1. Liebe Ekaterina Du bist eine der glücklichen PEP Stipendiatinnen. Was war Deine Motivation dahinter Jourvie zu gründen? 

Unsere Vision ist es, die Therapie für Menschen mit Essstörungen wie Magersucht und Bulimie einfacher zu machen. Meine Motivation entstand aus der eigenen Erfahrung - ich kannte die Probleme und Schwierigkeiten während der Therapie und damals hatte ich die Idee, eine App zu machen, die Betroffene während des Heilungsprozesses unterstützt. Mittlerweile arbeite ich mit einem tollen Team und Kooperationspartnern daran, das Projekt umzusetzen.

2. Wolltest Du immer im sozialen Sektor tätig sein oder hast Du auch in anderen Sektoren Erfahrungen gesammelt? 

Ich bin schon während der Schulzeit in meiner Heimat Bulgarien in den sozialen Sektor gerutscht und seitdem war das soziale Engagement ein fester Bestandteil meines Lebens. Während des Studiums war ich aktiv bei der Jugendpresse Deutschland e.V., den Sozialhelden e.V. und beim Verband der Gründer und Selbständigen Deutschlands e.V. Ich hab auch Erfahrung mit Jobs in anderen Bereichen gesammelt, aber die Erfüllung war nicht zu vergleichen mit der, die ich im sozialen Sektor gefunden habe.

 3. Inwiefern hat Dich das PEP Stipendium weitergebracht? 

Das PEP Stipendium hat maßgeblich dazu beigetragen, Jourvie zu dem zu entwickeln, was es heute ist. Ich hatte die Möglichkeit, mich Vollzeit auf das Projekt zu konzentrieren, und konnte somit mein Hobby zum Job machen. Die Veranstaltungen und Workshops von PEP haben uns viele neue Einblicke ermöglicht - z.B. zum Thema Business Modeling oder Teambuilding. Als Stipendiantin habe ich auch Coaching und Mentoring bekommen, was mir in der Strategieplanung sehr geholfen hat. Nicht zuletzt war der Austausch mit anderen Sozialunternehmern aus dem Netzwerk eine tolle Bereicherung - sowohl persönlich, als auch für das Projekt.

4. In jedem Sektor gibt es Auf und Abs. Was war bis jetzt Dein größter Erfolg mit Jourvie?

Wir hatten mehrere kleine und größere Erfolge und Niederlagen im letzten Jahr, aber einer der schönsten Momente war, als wir das erste Feedback von einer Nutzerin bekommen haben. "Danke euch für die App - ich nutze sie schon einige Tage und sie motiviert mich jeden Tag aufs Neue, mich zu verändern und endlich wieder ein Leben ohne die Essstörung zu leben!" Es war sehr inspirierend und motivierend zu sehen, dass das, was man macht, jemandem hilft. Ich bekomme immer wieder Gänsehaut, wenn uns Nutzer und Nutzerinnen mit Feedback und Ideen schreiben.

5. Bitte teile Deine 5 Top Learnings im Bezug auf Gründung mit uns. Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten? 

- dem eigenen Bauchgefühl vertrauen - man muss in der Projektentwicklung viele wichtige Entscheidungen treffen, und oft bekommt man Input von verschiedenen Seiten, welche die beste sein könnte. Nimm die zahlreichen Ratschläge mit, aber vertraue deinem Bauchgefühl, wenn du die Entscheidung triffst.

- sich mit anderen Changemakern austauschen - es ist sehr motivierend, zu sehen, dass man mit seinen Herausforderungen und Problemen nicht allein ist. Andere Sozialunternehmer können dich ermutigen oder mit Fachwissen und Erfahrung helfen.

- um Hilfe bitten - sei offen und frag nach Unterstützung, wenn du welche brauchst. Die Menschen freuen sich, zu helfen, aber sie können es erst dann, wenn sie wissen, wo sie genau unterstützen können.

- sich nicht entmutigen lassen - es wird viele Herausforderungen geben, aber kein Weg ist leicht, der zur Veränderung führt. Man erreicht sein Ziel nur indem man die Herausforderungen meistert, deshalb solltest du dich nicht entmutigen lassen, sondern weitermachen.

- mit den Leuten reden, für die man das Projekt macht - es ist eine unglaublich schöne Quelle von Inspiration und Energie, wenn man mit den Menschen spricht, an die sich das Projekt eigentlich richtet. Die Wirkung zu sehen ist sehr motivierend für die nächsten Schritte.

6. Als letzte Frage, was macht Dich zum Changer? 

Wir sind Changer, weil wir uns trauen, über ein Tabuthema zu reden, und weil wir mit viel Leidenschaft und Verständnis daran arbeiten, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen - sodass es altersgerecht und zeitgemäß behandelt wird.