So funktioniert Jobsharing

Die Tandemploy Gründerinnen erzählen, wie Jobsharing für alle Beteiligten zum Erfolg wird.

by Nadia Boegli, January 12, 2017

Immer mehr Menschen interessieren sich für innovative Arbeitsmodelle, die zur Persönlichkeit bzw. zum Unternehmen passen. Vor ein paar Wochen stellten wir Euch unsere HR Trends für 2017 vor. Diesmal haben wir uns mit Jana Tepe und Anna Kaiser von Tandemploy unterhalten, um für Euch rauszufinden was man sich eigentlich unter Jobsharing vorstellen kann und für welche Unternehmen sich dieses Modell eignet. 

Wie sieht Jobsharing eigentlich genau aus? 

Jana: 

Im Jobsharing teilen sich klassischerweise 2 Menschen eine Aufgabe. Dabei muss es gar nicht zwangsläufig um eine 40-Stunden-Stelle gehen. Es gibt auch viele Tandems, die sich eine 150%-Stelle oder mehr teilen. Entscheidend ist die Art und Weise der Zusammenarbeit: Man ist ein enges Team, teilt die Verantwortung, hat ein Ziel und arbeitet gemeinsam darauf hin. Dabei managed man die Zusammenarbeit sehr selbstständig, legt also miteinander und untereinander fest, wer wann was tut. 

Was sind die Vorraussetzungen für eine geteilte Stelle? (Sowohl von Arbeitgeber Seite, als auch aus der Sicht der Bewerberin)

Anna:

So viele Voraussetzungen gibt es da eigentlich gar nicht, vor allem nicht von Arbeitgeberseite. Jeder typische Vollzeitjob ist prinzipiell für ein Jobsharing geeignet - also gerade die Stellen, bei denen klassische Teilzeit an ihre Grenzen stößt, weil sie komplexer sind, viel Power und ggf. auch Anwesenheit erfordern. Das Unternehmen muss einfach nur offen für neue Wege sein und dem Tandem den Raum und das Vertrauen geben, die Zusammenarbeit eigenverantwortlich zu gestalten. Man gibt ein Stück Kontrolle ab und managed weniger als bei zwei Teilzeitkräften, die man womöglich noch koordinieren muss - das ist wahrscheinlich das Schwierigste aber gleichzeitig auch entlastend. 

Jana: 

Auf Bewerberseite ist das wichtigste, dass zwei Menschen auch wirklich im Jobsharing zusammenarbeiten wollen. Man kann und sollte niemanden hineinzwingen, aber wer prinzipiell gerne im Team arbeitet, ein guter Kommunikator ist und Verantwortung und auch Lob teilen kann, ist erstmal ein guter Kandidat. 

Was sind die Vorteile für den Arbeitnehmer und was für den Arbeitgeber? 

Jana:

Für Arbeitnehmer ergibt sich durch Jobsharing die tolle Chance, einen erfüllenden, anspruchsvollen Job in flexibler Art und Weise auszuüben und z.B. eine 30-Stunden-Woche zu realisieren. Das ist für viele die ideale Arbeitszeit, bei der genügend Freiraum für Familienplanung, eigene Projekte, Weiterbildung, Pflege oder den Aufbau einer Selbstständigkeit bleibt. Viele Jobsharer beschreiben die Form der Zusammenarbeit außerdem als sehr angenehm, weil sie sehr kooperativ ist, Freude macht und man einen tollen Sparringspartner hat. 

Anna:

Und Unternehmen bekommen durch Jobsharing die eierlegende Wollmilchsau :-) , die bestens informierte Vertretung im Urlaubs- oder Krankheitsfall, motiviert und produktivere Mitarbeiter und tatsächlich auch eine Risikominimierung, weil nicht alles an einer Person hängt. Man kann langsam aber sicher die Wissensinseln im Unternehmen abbauen und wirklich einmal anfangen, transparenter und auch agiler zu werden. Ein ganz konkreter Schritt in Richtung Flexibilisierung und struktureller Transformation. 

Für welche Unternehmen/ Organisationen eignet es sich Jobsharing anzubieten?

Jana:

Für alle, die darauf Lust haben und deren Aufgaben von gutem Teamwork profitieren könnten. Man denkt immer zuerst an Bürojobs, aber grundsätzlich eignet sich Jobsharing zum Beispiel auch super für den Einzelhandel oder die Hotellerie, wo Manager oft Schichten von morgens bis spätabends abdecken müssten, dies aber rein rechnerisch einfach nicht möglich ist. 

Anna:

Wir haben Kunden aus allen Branchen, von groß bis klein: Kreativagenturen, ja sogar Beratungen, namhafte Konzerne, Banken, Immobilienfirmen, öffentliche Einrichtungen und Universitäten… das Thema Flexibilisierung betrifft eben alle :-). 

Könnt ihr uns ein paar erfolgreiche Beispiele nennen? Gibt es vielleicht sogar bereits Beispiele aus dem sozialen Sektor?

Jana:

Auf unserem Blog interviewen wir regelmäßig Menschen, die bereits ihre Jobs teilen und Firmen, die dafür offen sind.

Ein Sozialunternehmen, das bei uns mitmacht und auf der Plattform vertreten ist, ist Librileo. 

Wie sieht die Zukunft des Jobsharing aus? 

Anna:

Jobsharing ist einfach eine logische Schlussfolgerung aus den Veränderungen am Arbeitsmarkt, die wir gerade beobachten. Wir müssen es einfach schaffen, Arbeit anders zu organisieren. Damit sie wieder in das Leben der Menschen passt, nachhaltig und gesund ist, niemanden in unserer Gesellschaft auf der Strecke lässt und Unternehmen auf der anderen Seite nicht zu unflexiblen, nicht mehr reaktionsfähigen Gebilden werden, die den Zeitgeist verpassen und nur noch hinterher hinken. Wir brauchen - als Gesellschaft - wieder mehr Zeit für Reflexion. Nur so können wir dem Wandel begegnen, clever und vor allem menschlich handeln und wirtschaften. 

Über Tandemploy: 

Jana Tepe und Anna Kaiser, Tandemploy

(v.l. Anna Kaiser und Jana Tepe)

Jana: Tandemploy entwickelt clevere Technologien, um die Flexibilisierung der Arbeitswelt voranzutreiben und zu unterstützen. Auf unserer Plattform Tandemploy.com finden an Jobsharing interessierte Menschen passende Tandempartner und aufgeschlossene Unternehmen, bei denen sie sich direkt zu zweit bewerben können. Die dahintersteckende Software (insbesondere das Matching) gibt es auch als unternehmensinterne Lösung (dann unter dem Namen flex:workz). Große Firmen wie z.B. Beiersdorf nutzen sie, um ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, flexible Arbeitsmodelle innerhalb der Firma selber (!) zu organisieren. Flex:workz geht mittlerweile auch weit über Jobsharing hinaus: Mitarbeiter können passende Kollegen auch für eine Jobrotation (also Jobtausch oder Schnuppern in einen anderen Bereich), ein Projekt oder ein Mentoring suchen. Alles geht von den Mitarbeitern aus und wird nicht zentral von der Personalabteilung gesteuert. 

Anna: Es wird einfach Zeit, nicht immer nur über Dinge (ja, Buzzwords!) wie „Empowerment“ zu sprechen - sondern tatsächlich damit anzufangen.