Hier wirst auch Du zum Pioneer of Change

Martin Kirchner und sein Team helfen Dir Deinen inneren Changemaker zu finden.

by Helmut Gruber, March 7, 2017

Schon lange vor dem Hype rund um Social Business haben die Pioneers of Change (PoC) ihre Aktivitäten begonnen. Seit 2010 unterstützen sie Menschen, die ihrem Ruf folgen etwas beizutragen zu wollen, damit die Welt noch lebenswerter für alle wird. Jene, die mit ihren Ideen und mit ihrem Potenzial ihren Platz in der Welt finden wollen, von wo sie sinnvoll wirken können. Weit über 100 Abgänger gibt es nach all den Jahren und die Nachfrage ist ungebrochen. Wir haben mit dem Geschäftsführer Martin Kirchner gesprochen und blicken mit ihm hinter die Kulissen der Pionierschmiede.

Auch Du kannst beim Pioneers of Change Summit teilnehmen. Melde Dich hier an!

Erzähl uns von Pioneers of Change, was hat es damit auf sich? 

Wir fördern soziales Engagement indem wir Menschen ermutigen, eigene Projekte zu starten, Social Businesses zu gründen oder eine NGO. Wir wollen mit ihnen einen Platz für sie finden, der stimmig ist, und das kann natürlich auch etwas sein in einer bestehenden Organisation oder auch in der Familie. Was uns wichtig ist, ist Menschen zu helfen in ihre Lebendigkeit zu kommen. Und in das was wirklich stimmig ist, aber nicht als Ego-Trip, sondern schon in Resonanz mit dem was es braucht in der Welt.

Und wie macht Ihr das?

Seit 2010 bieten wir LERN- und WERDEgänge an. Das ist ein sehr intensives Jahres-Programm, mit 9 Modulen, 36 Seminartagen, wo wir einen Bogen begleiten mit Visionsarbeit, also mit persönlicher Arbeit, wer bin ich eigentlich und was sind meine Gaben, was sind meine Talente, was ist der rote Faden, der sich durch mein Leben durch zieht, und wo zieht es mich hin, was ruft mich, was begeistert mich, was ärgert mich, und was braucht es da in dieser Welt und was ist an dieser Schnittstelle von dem was ich brauche und was die Welt braucht, was gibt es da für Ideen für mich.

Wo hab ich da Energie, Lust, Power, oder sogar ein bisschen Angst davor. Es gibt auch so etwas wie „Nein, nein, nein“-Sagen und in Abwehr die Hand schütteln und gleichzeitig begeistert mit dem Kopf nicken. Und da merkt man, da ist Energie und da ist es gut in diese Richtung zu gehen.

Und das ist der erste Schritt, bei dem man drauf kommt und unterstützt wird rasch ins Tun zu kommen und weg aus dem Kopf und den Vorstellungen wie ich glaube, dass es für mich sein könnte, rein in die Erfahrung, in das Ausprobieren, kleine Erfolge feiern aber auch das Scheitern erfahren und keine Angst zu haben, dabei und davon zu lernen.

Wir schauen genau hin: Wie kann ich mit dem was mir wichtig ist Geld verdienen oder meinen Lebensunterhalt bestreiten. Und unabhängiger, freier werden.

Und ein ganz wichtiges Element ist für uns das Community-Building. Menschen zu vernetzen, die sich gegenseitig unterstützen. Wo Freundschaften entstehen und Synergien und neue Projekte. Und ein Feld, das trägt, weil es solche und solche Tage gibt und in schwierigen Phasen oder wenn es im Projekt Rückschläge gibt, ist es wichtig gute Freunde zu haben, die einen ermutigen weiterzugehen.

Was war Deine Hauptmotivation für die Gründung der PoC?

So etwas hätte ich selbst gebraucht auf meinem Weg. Auf einem Weg, bei dem mich die Frage „Wie leben wir hier auf diesem Planeten?“ sehr beschäftigt hat. Und mich die Vision getrieben hat, Orte zu schaffen, wo ein nachhaltiges Leben modellhaft experimentiert wird. Ich habe viele Ökodörfer besucht und schließlich auch ein Co-Housing Projekt mitgegründet, in dem ich jetzt lebe. Aber der Weg war so schwierig und so voller Rückschläge und Scheitern, und hat so viele Jahre gedauert, dass ich mir gedacht habe, es müsste doch eine Ausbildung geben, wo man so etwas lernt. Wo man Unterstützung bekommt, ein Netzwerk bekommt und dann ist mir der Begriff vom Social Entrepreneur untergekommen, das war 2006. Da hab ich gewusst, ja so was bin ich, aber wo lernt man das? Und dann kam die Idee, dass ich das eigentlich organisieren könnte und das dabei selbst lerne. Scheint wie eine einfache Idee, die Umsetzung hat dann ein bisschen gebraucht.

Was ist die Philosophie hinter dem Wirken der PoC?

Unser Ansatz ist der Glaube daran, dass wir uns in einem Kulturwandel befinden. Wo wir neue Werte und ein neues Bewusstsein bekommen und da schon viel existiert. Und es geht darum ein Netzwerk zu bilden und Menschen zusammenzubringen, die aus diesem anderen Bewusstsein ihr Leben leben und Dinge tun. Und so glaub ich, dass diese Menschen, die Dinge anders tun. Wenn wir viele sind und uns vernetzen können wir als Pionier*innen eine ganz schöne Kraft entwickeln. Vor allem wenn das System noch mehr ins Chaos stürzt und es kommt mir vor, dass genau das gerade passiert. Dann ist es gut, wenn Menschen da sind, die sich gut spüren, und wissen wie sie sich organisieren und ein gutes inneres Bild davon haben, was alles möglich ist.

Unsere Theory of Change ist nicht ein Lobbying und es geht dich darum, große Systeme verändern, sondern um viele kleine Menschen, die in ihrem Umfeld lokal wirken und in Summe dann etwas bewirken. Oder es auch so freudvoll zu machen, dass es ansteckend wirkt.

Auch der wissenschaftliche Beirat der deutschen Bundesregierung hat ein Gutachten erstellt, das heißt ‚Welt im Wandel’ und die Haupt-Conclusio ist, wir brauchen Pioniere und Pionierinnen des Wandels. Wir müssen sie fördern und vervielfältigen. Das ist der wichtigste Ansatzpunkt für eine tiefgreifende Veränderung und Transformation unserer Gesellschaft und da helfen wir mit unseren Pioneers mit.

Welche Hindernisse begegnen Dir da auf Deinem Weg?

Wir sind sehr früh dran mit dem was wir da machen, und etwas unter dem Radar der Medien. Eine unserer größten Herausforderung ist es, das was wir tun – was wir anders tun – zu kommunizieren, da die richtige Sprache zu finden und das auf den Punkt zu kriegen und zu schauen, was ist wirklich die Wirkung und das dann vielleicht noch in Zahlen zu gießen. Das finde ich nicht einfach. Wir haben schon auch Unterstützung bekommen, aber es ist auch sehr prekär gewesen in den letzten Jahren – mit ganz viel großem Einsatz und Herzblut getragen. Und es gab schon auch Momente in denen wir uns gefragt haben, machen wir da jetzt weiter oder nicht? Und riskieren wir da jetzt weiter?

Wenn Du jetzt nochmal wählen könntest, würdest Du etwas anderes tun?

Ein Train the Trainer-Programm anzubieten finde ich gut und sinnvoll. Die Methoden des LERNgangs an andere Orte bringen und somit zu verbreiten. Und mich beschäftigen gerade Möglichkeiten, wie wir die Angebote finanziell günstiger machen können und wie wir den Leuten mehr mitgeben können. Ich denke, dass das mit Online-Angeboten gut geht. Dadurch könnte der LERNgang mit weniger Ressourcen betrieben werden.

Gerade arbeiten wir ganz intensiv am Pioneers of Change Online Summit. Das ist ein kostenloses Format bei dem man sich jeden Tag 3 Interviews mit Expert/innen im Bereich Social Entrepreneurship, Potentialentfaltung, Zukunftsvisionen anschauen kann. Wir wollen damit viele Menschen im Deutschsprachigen Raum ansprechen und ermutigen ihr Leben in die Hand zu nehmen und ins Tun zu kommen. Und wir wollen damit zeigen, dass es geht, dass man sinnvolle eigene Ideen und Träume umsetzen kann und damit sogar Geld verdienen kann. Weil ich glaube viele Menschen sitzen in ihrem Job und denken sich, dass eigentlich mehr in ihnen steckt. Oder dass es sinnvolleres für sie zu tun gibt als das was sie gerade machen. Und sie haben aber keine Vorbilder, sie kennen keine Menschen, die ihre Ideen für eine zukunftsfähige Welt tatsächlich umgesetzt haben und damit erfolgreich sind. Und das wollen wir anbieten: wir wollen Mut-Geschichten erzählen, Menschen vorstellen, die neue Wege gehen und damit unternehmerisch tätig sind.

Meld dich gerne an, es ist kostenfrei und Inspiration frei Haus: 16. – 26. März Pioneers of Change Online Summit: https://pioneersofchange-summit.org

Gibt es ein Projekt, was Dich momentan besonders begeistert?

Z.B. von Anna Geiger, das biologische Schul-Buffet in einem Gymnasium in Kärnten, es heißt ‚im-biss’. Es vermittelt gute Lerninhalte und ist gleichzeitig cool und gesund. Ich finde einfach, genau so etwas braucht es. Und die hat das richtig unternehmerisch aufgezogen und verdient ihr Geld damit. Oder sonst freut mich auch sehr das TAU-Magazin, das ganz viele Menschen erreicht. Oder das United Creations Netzwerk, das Ausbildungen und Coaching anbietet und Greenskills über alternatives Bauen vermittelt. Sie haben aus dem Netzwerk heraus einen Experimentierort für nachhaltiges Bauen am Stadtrand von Wien gegründet, die ‚Transition Base’, das ist wie eine permanente Expo für anderes Leben. Und sonst gibt es noch Öko-Mode-Labels oder viele kleine lustige Dinge, zum Beispiel ist dieses Jahr jemand dabei, der Bio-Cocktails macht.

Welche Wirkung haben die PoC?

Da tu ich mir schwer, das in Worte und Zahlen zu fassen.

Sie haben natürlich eine direkte Wirkung auf Menschen, die uns berichten, dass sie in diesem Jahr mehr sie selbst geworden sind. Sie haben viel gelernt über Kommunikation, trauen sich mehr. Zum Beispiel Georg Tarne von Soulbottles – auch ein Projekt, das mich sehr freut – hat gesagt, er hat in dem Jahr die Angst vor dem Tun verloren und er habe mehr Selbstvertrauen und Mut gewonnen. Und eingesehen, dass Scheitern nicht so tragisch ist. Das ist eine Wirkung auf individueller Ebene, wo die Gewaltfreie Kommunikation, die auch bei uns im Training angeboten wird, stark wirkt. Und es wirkt auch stark direkt auf das Umfeld der Menschen wo sich dann viel tut. Und dann auch noch das Netzwerk, die Community ist stark gewachsen, wo auch viel Wirkung zu spüren und sehen ist und wir regelmäßige Veranstaltungen haben, wo einige hundert Menschen pro Jahr kommen und sich die Projekte beim ‚Going Public’ ansehen.

Was sind Pioniere des Wandels für Dich? Du hast mit dem Namen ja auch mal eine Weile gehadert.

Pioneers of Change – ich find das ist schon eine ordentliche Ansage, nicht gerade bescheiden. Aber ich habe mich letztes Jahr damit angefreundet und finde, es ist ein starker Name und eine Freundin hat mir gesagt, „call it what it is.“ Und ich find, dass diese ganzen jungen Menschen, die sich auf den Weg machen und es vielleicht anders machen als es ihre Eltern gemacht haben, und wo die Freunde teilweise auch in Widerstand gehen und das nicht nachvollziehen können, was man da jetzt macht, und die da dran bleiben auf dem Weg zu etwas Neuem – ich finde, das sind schon Pioniere. Und das kann man ruhig so nennen.

Und gleichzeitig ist für mich wichtig, dass nicht nur Menschen, die den LERNgang gemacht haben, die Pioniere sind, sondern da gibt es ganz, ganz viele da draußen, in Schulen, Gemeinden, in der Verwaltung, die auch Pioniere sind.

Und das zweite ist der Change, wo ich mich lange gefragt habe welcher Change eigentlich, wohin eigentlich? Und ich mittlerweile denke, es ist gut darüber zu reden, damit es anschlussfähiger wird. So wie ich letztens in der Bank beim Bankberater gesessen bin und der sagte „Aja, Pioneers of Change. Wir haben auch viel Change hier in der Bank“. Also das ist schon ein wichtiges Thema und es gibt eine Grundstimmung in der Gesellschaft, die klar macht: „Es muss sich etwas verändern“. Das führt dann zwar absurderweise gerade dazu, dass der Trump gewählt wird. Aber es ist wichtig zu schauen, was ist die Welt, die wir uns wünschen, wie schaut die aus? Und wie können wir sie jetzt schon leben? Wie zum Beispiel in unserem E-Book „Best of Wandel“, dort zeigen wir, in welche Richtung die Reise unserer Meinung nach gehen sollte. Dort werden ganz viele Initiativen zum Mitmachen und Nachmachen vorgestellt.

Wen wollt Ihr mit den Angeboten der Pioneers ansprechen?

Bisher sind es vor allem Menschen aus höheren Bildungsschichten, die sich das auch leisten können. Leute, die am Ende des Studiums sind, gerade fertig sind oder im ersten Job, oder gerade ein Jahr Bildungskarenz machen. Jene, die sich diesen Entwicklungsraum auch gönnen können. Das tut mir immer ein bisschen leid, und wir schauen auch immer, dass wir mit Patenschaften und Stipendien extrem entgegen kommen.

Deswegen setzen wir in Zukunft auch auf die Online-Plattform, die es ermöglicht, Angebote niederschwelliger verfügbar zu machen, und mehr Menschen zu erreichen als 20-25 pro Jahr.

Wofür bist Du gerade dankbar?

In erste Linie ist es Dankbarkeit, wenn ich zurückblicke, weil ich so viele Jahre gerungen habe herauszufinden was mein Weg ist, was ist mein Platz, was will ich, ich will etwas Sinnvolles machen. Jetzt bin ich einfach unendlich dankbar dafür, dass ich da meinen Platz gefunden habe und da dieses Spiel mitspielen kann. Und dabei so wundervolle Menschen kennengelernt habe und Beziehungen aufgebaut habe und dabei unglaublich viel Spaß gehabt hab. Für diese Fröhlichkeit und Verrücktheit bin ich sehr, sehr dankbar. Und in den ersten ein, zwei Jahren ist mir oft dieses Wort Gnade gekommen. Nach so vielen Jahren des im Nebel sein und wer bin ich eigentlich, dass es mir jetzt vergönnt ist an so einen spannenden Punkt zu kommen, mit so wundervollen Menschen zusammen zu sein und das zu tun, was mich wirklich interessiert, ist einfach unglaublich. Und bin auch dankbar den vielen Menschen, die das am Weg dorthin unterstützt haben.