Darf’s etwas größer sein?

Meine Arbeit in einem großen Verein mit ebenso großen Zielen.

by Anna Kümmel, January 6, 2017

Anna Kümmel verließ die klassische Wirtschaft und ist Teil des On Purpose Associate-Programms. Seitdem berichtet Sie über Ihre ganz persönlichen Erfahrungen aus dem sozialen Bereich. Diesmal ist sie bei einem großen Verein.   

Seit fünf Monaten bin ich nun im Rahmen des On Purpose Programms bei meinem zweiten Arbeitseinsatz tätig: dem AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Hier treffen viele Faktoren aufeinander, die ein für mich neue Art des Arbeitens erfordern: Eine lange Vereinsgeschichte, eine weltweite Partnerstruktur, eine große Mitarbeiterzahl und eine sehr große und aktive ehrenamtliche Basis.

Ich habe noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, das mehr als 60 feste Mitarbeiter hatte, geschweige denn in einem Verein mit tausenden Ehrenamtlichen. Doch AFS International ist einer der weltweit größten gemeinnützigen Anbieter für Jugendaustausch. Gegründet von ehemaligen freiwilligen Sanitätswagenfahrern des Ersten und Zweiten Weltkriegs – daher auch der Name AFS (American Field Service) – hat sich die ehemals deutsch-amerikanische Austauschorganisation zu einer wahrlich internationalen Vereinigung entwickelt. Mittlerweile gibt es über 60 Länderorganisationen und Partner weltweit und allein der AFS Deutschland hat fast 100 hauptamtliche Arbeitnehmer und über 3.500 ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Es war anfangs etwas schwierig für mich, die komplexen Strukturen, die Arbeitsweise und das umfangreiche Angebot des Vereins zu durchschauen. Bietet der AFS doch Programme in verschiedensten Formaten (Austauschprogramme, Freiwilligendienste, interkulturelle Trainings) in rund 50 Ländern an. All diese Programme unterstehen einem Ziel: Weltfrieden.
Oder genauer gesagt: „Menschen in der Entwicklung ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten und ihres Verständnisses zu unterstützen, die erforderlich sind, um eine gerechtere und friedvollere Welt zu schaffen.“

Ich bin froh, nun auch größere Strukturen und damit andere Arbeits- und Kommunikationsweisen kennenzulernen. So kann ich meinen eigenen Arbeitsstil vor einem ganz neuen Hintergrund reflektieren. Die Entscheidungsfindung zum Beispiel läuft anders ab als ich es gewohnt bin. Viele Instanzen werden mit einbezogen. Es dauert dadurch zwar länger, aber eine „Ruck-Zuck-Mentalität“ kann nicht überall angewendet werden. Das lerne ich gerade.

Und dennoch ist jeder in der Organisation von der Mission Völkerverständigung durch Völkeraustausch überzeugt. Ich meine dabei nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Personen aus meinem eigenen Freundeskreis, die mit AFS im Ausland waren. Das etwas sperrige Wort „interkulturelles Lernen“ wird hier sehr sorgfältig verfolgt: kein Auslandsaufenthalt ohne echte Lerneffekte in Sachen Toleranz und kultureller Offenheit.

Derzeit arbeite ich zusammen mit der Marketingabteilung an der Vermarktung der Kurzzeitaustauschprogramme. Es ist spannend zu sehen, worauf dieser Bereich achten muss, um seinen Platz als Teil des AFS-Angebots zu finden. AFS als Ganzes muss mit einer Stimme sprechen und doch will jeder Angebotsbereich natürlich selbst gute Resultate einfahren. Spannend ist auch, welch große Rolle die Mission im Arbeitsalltag spielt. Passt das zu AFS? Entspricht das unserem Anspruch? Diese Fragen begleiten jede Entscheidung und führen zu Diskussionen unter den Mitarbeitern sowie zwischen Ehren- und Hauptamtlichen.

Ich erfahre hier, dass sich selbst in einer großen Organisation jeder Mitarbeiter voll mit der Mission identifizieren kann. Außerdem übe ich mich darin, mehr darüber nachzudenken, wo mein Handeln Schnittstellen oder Überschneidungen mit anderen Personen, Abteilungen oder Maßnahmen hat. Kleine agile Teams bilden beim AFS ein großes weltweit agierendes Netzwerk. Darüber, wie und ob das in großen gemeinnützigen Unternehmen funktionieren kann und wie man mit einem großen Tanker ebenso große Ziele verfolgen kann, möchte ich gerne noch mehr lernen. 

Über die Autorin

Anna Kümmel

Anna Kümmel ist Associate bei On Purpose Berlin, einem einjährigen Leadership-Programm für soziales Unternehmertum. Anna hat Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und als Marketing-Managerin in einer E-Commerce Agentur gearbeitet.