Mit Optimismus, Naivität und Wasabi-Erdnüssen zum Ziel

Ein Interview mit Kater Demos Gründer Alexander Sängerlaub

by Julia Wegner, September 18, 2015

Nach über zwei Jahren ist das erste Kater Demos Magazin zum Thema Demokratie ist nun draußen und die Crowdfunding Kampagne läuft. Was eigentlich die sogenannte Generation Y ausmacht und warum Naivität in der Gründungsphase auch mal gut sein kann erklärte uns Alexander Sängerlaub im Interview. 

Was hat Dich motiviert Kater Demos zu gründen?

Im März 2013 vor der Bundestagswahl haben Franziska Teubert (meine Mitgründerin) und ich festgestellt, dass es kaum Parteien gibt, welche die Interessen der Generation Y vertreten und die Bedürfnisse und Wünsche dieser Wählerschaft verstehen. In der Magazinlandschaft, vor allem was den politischen Journalismus betrifft, herrscht ebenfalls gähnende Leere. Da dachten wir, dass wir das einfach selbst in die Hand nehmen und ein eigenes Magazin gründen. Eines, dass wir selber gerne lesen würden, gespickt mit Themen und Fragen, die uns selbst unter den Nägeln brennen – ohne dabei irgendwie ideologisch zu sein. 

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Von der ersten Idee zum ersten Heft sind über zwei Jahre vergangen – was waren die größten Hürden und wie konntet ihr sie überkommen?

Die allergrößte Hürde war vor allem sich die Zeit zu nehmen für das Projekt. Ich habe daher im Sommer letzten Jahres den Entschluss gefasst meine alte Arbeit zu kündigen, bin nach Vancouver gereist und habe die Outlines und Ideen zur ersten Ausgabe skizziert und entwickelt. Weil aber nebenbei dennoch Geld für die Miete hereinkommen muss, ist es auch für viele im Team nicht einfach den Vollzeitjob mit dem “schönen Hobby“ Magazinmachen zu verbinden. Irgendwann hoffen wir natürlich, dass wir auch mal mit dem Magazin unsere Mieten zahlen können. Um die Laune im Team aufrecht zu halten, halfen uns während der Redaktionsmeetings nicht nur Wasabi-Erdnüsse, sondern vor allem gute Laune.

Was bedeutet für Dich guter Journalismus?

Guter Journalismus muss für mich vor allem unabhängig sein. Daher haben wir auch bewusst darauf verzichtet Werbung mit ins Magazin hereinzunehmen. Wir wollen kein „redaktionelles Umfeld für Werbetreibende“ schaffen, sondern selber bestimmen welche Inhalte von Bedeutung sind. Desweiteren gilt es das Medium Print in seiner ganzen Schönheit und seinen Möglichkeiten zu nutzen. Das heißt: sich Platz nehmen für die Texte und Themen, damit man mal einem Gedanken länger folgen kann, als es online der Fall ist. Genauso wichtig ist aber die Gestaltung. Wir haben hier mit Steffen Gorski einen ganz hervorragenden Kreativdirektor an unserer Seite, der genau versteht: „das Auge liest mit“. Und gerade bei politischen Themen lohnt es sich auch mal Ungewöhnliches zu versuchen.

Was macht Deiner Meinung nach die Generation Y aus?

Eine Mischung aus Erschöpfung und Veränderungsgeist. Erschöpfung bezogen auf die alten Strukturen: das Ausführen sinnloser Tätigkeiten, unterbezahlt und mit Überstunden gespickt wollen, obwohl sie so gut ausgebildet sind wie keine Generation davor – das wollen viele nicht mitmachen. Sie fragen „warum“? Das führt aber auch dazu, dass ein großer Teil seinen ersten Burn Out schon vor 30 bekommt. Die Erschöpfung bezieht sich auch darauf mit anzusehen, auf welche Art und Weise Politiker debattieren und Politik machen – völlig zu Recht klinken sich viele hier aus, obwohl sie nicht unpolitisch sind. Nur politiker- oder parteienverdrossen. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass ein großes Potential für Veränderungen der Generation Y innewohnt. Man muss es nur irgendwie heraus kitzeln. 

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Die Crowdfunding Kampagne läuft – Wie stellt Ihr Euch die langfristige finanzielle Planung vor?

Langfristig ist es so, dass wir auf jeden Fall einen Investor brauchen, vielleicht eine Art Mäzen, der dem Kater hilft fliegen zu lernen. Wir stoßen derzeit einfach zeit- und budgetmäßig an unsere Grenzen beim Marketing oder in der Kommunikation nach außen, zumal niemand von uns schon den Kobold mit dem Goldschatz dran gefunden hat. Das Print heute funktioniert, zeigt nicht nur die Landlust, sondern auch Gesellschaftsmagazine, wie brand eins, man braucht nur einen langen Atem. Das sich Kater Demos irgendwann auch selbst – ganz werbefrei – tragen kann, davon sind wir fest überzeugt. 

Schon vor eurem offiziellen Launch habt ihr ein ziemlich großes, internationales Team beisammen – was ist Dein Top Tipp für den Teamaufbau?

" Das wichtigste ist: überzeugt von dem zu sein, was man macht und eine klare Vision davon zu haben, wie das Produkt am Ende aussehen soll." Sich in einem Magazin zudem mit politischen Fragen, welche die Gesellschaft bewegen und deren Antworten sie verändern werden, auseinanderzusetzen, beantwortet für viele auch direkt die Sinnfrage. Insofern war es nicht schwer gute Leute, wie meine gute Freundin Elisa Bilko (links im Foto oben), die als Redakteurin und Verlagschefin zu uns gestoßen ist, davon zu überzeugen mitzumachen – auch wenn das ganze Team aus bisher 30 Köpfen nur ehrenamtlich tätig war. Noch wichtiger ist aber der Teamspirit: Die Leute müssen einfach Spaß an dem haben, was sie machen.

Was macht Dich zum Changer?

Vor allem eine gute Portion Optimismus und gepaart mit Naivität. Der Glaube daran, dass man etwas gemeinsam verändern kann, trägt mich voran. Naivität deshalb, weil zum Gründen unfassbar viel noch dazugehört, dem man sich vorher nicht bewusst ist. Das ist aber auch ganz gut, sonst hätte man wahrscheinlich auch nie damit angefangen. Und sonst auch ein wenig meine Familie. Mein Opa war ein hohes Tier bei der Bank in der DDR, aber nie in der Partei. Er hat sich über den Fall der Mauer sehr gefreut, doch ist im Kapitalismus heute genau so wenig zu Hause, wie er es im Sozialismus der DDR war. Er hat mich gelehrt die Dinge kritisch zu hinterfragen und zu durchdenken. Meine Mutter hat mich gelehrt, dass das Leben vor allem aber auch Spaß machen soll. Und genau aus dieser Mischung besteht Kater Demos.