FairTrade Studie: Wer hat die Macht?

Diese veröffentlichte Studie wirft Licht auf die Dimension von Machtkonzentration der Handelsketten.

by Naomi Ryland , May 28, 2015

Top 10 Marken (u.a. Unilever und Nestlé) machen 15 % des weltweiten Einzelhandelsumsatzes aus!

5 Einzelhändler (u.a. Aldi und Lidl) kontrollieren 
50 % des Marktes in Europa!

Was ist denn hier los?

Wenige haben viel und viele haben wenig – so ungefähr kann man die Kernaussagen der FairTrade Studie „Wer hat die Macht? Machtkonzentration und unlautere Handelspraktiken in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten“ zusammenfassen.

Pünktlich zum G7 Gipfel am 7./8. Juni 2015 in Elmau bei München wurden brisante Erkenntnisse veröffentlich. Die Studie kommt zu vier wesentlichen Ergebnissen:

1. Die Machtkonzentration in landwirtschaftlichen Produktketten ist nicht zufällig, sondern strukturell und weit verbreitet bei Anbietern von Agrarbetriebsmitteln, Handelskonzernen, Markenherstellern und Einzelhändlern.

2. Handels- und Verarbeitungsunternehmen missbrauchen oftmals ihre Nachfragemacht, was zu „unlauteren Handelspraktiken“ führt, mit negativen Auswirkungen sowohl in Europa als auch in anderen Produzentenländern und auf allen Ebenen der Lieferkette.

3. Diesen sich zuspitzenden Problemen stehen keine adäquaten politischen Instrumente auf nationaler, europäischer und globaler Ebene zur Verfügung. Auch das Wettbewerbsrecht arbeitet vielfach gegen Kleinproduzent/innen, indem es sich auf Endpreise für Verbraucher/innen fokussiert.

4. Notwendig sind die Erneuerung des Wettbewerbsrechts auf struktureller und verhaltensbezogener Ebene und insbesondere der Aufbau strengerer und koordinierter Durchsetzungsmechanismen zur effektiven Beendigung unlauterer Handelspraktiken.

Doch was heißt das genau?

Vor allem kleine Bauern sind durch die krasse Machtkonzentration benachteilig. Einige wenige große Konzerne kontrollieren die Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln weltweit!

Großabnehmer bestimmen die Handelsbedingungen und können so massiven Druck auf Lieferanten und Produzenten ausüben! Das führt zu schlechten Arbeitsbedingungen, da ja dem Preisdruck standgehalten werden muss. Schnell wird auf schlimme Arbeitsstandards wie z.B. Kinderarbeit und kaum existierenden Sicherheitsstandards zurückgegriffen.

Ein weiteres großes Problem ist, dass Kleinbauern- aufgrund fehlender Infrastrukturen- von Exporteuren abhängig sind. So haben diese die Macht den Kleinbauern sehr niedrige Handelskonditionen aufzwingen zu können.
Niedrigpreise sind ebenfalls eine Folge der Machtkonzentrationen. Z.B. sind Zuckerrübenbauern von den Rohzuckerproduzenten abhängig und dann meistens von der Belieferung einer einzigen Zuckermühle in ihrer Nähe. Da es weit und breit keine Alternative gibt, sind die Bauern meist gezwungen  den (oft sehr niedrigen!) Preis zu nehmen. Denn das ist der Einzige, den er kriegen kann!

Die Krönung der ganzen Machtkonzentration ist, dass die Bauern oft keine Chance haben sich kollektiv zu organisieren um sich dadurch ein bisschen Ohr zu verschaffen, denn die Käufer setzen ihre Macht ein, um diese Initiativen zu schwächen oder gar zu verhindern.

Was muss sich ändern?

Hier geht einiges schief. Deswegen sind große Veränderungen angesagt! In der Studie wurden einige Verbesserungsvorschläge veröffentlicht:

Die ungeheure Marktmacht Einzelner, die unlautere Handelspraktiken ermöglicht, muss eingedämmt und Menschen- und Arbeitnehmerrechte entlang der Lieferketten gesichert werden.

Ein Ausgleich der Machtverhältnisse kann durch öffentliche Investitionen für Kleinbauern sowie durch Einbeziehung aller Stakeholder geschaffen werden. Die Kleinbauern müssen gestärkt werden! Um zu verhindern, dass jemand zu erhöhter Marktmacht kommt, sollte die Wettbewerbspolitik reformiert werden – Fusionskontrolle ist hier das Stichwort!

Außerdem müssen die Abläufe entlang der Wertschöpfungsketten transparenter werden. Deswegen kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass eine unabhängige Institution die Kosten- und Preismargen entlang der Kette auswerten sollte.

Ferner schlagen die Verfasser der Studie vor, dass eine starke Regulierung eingeführt wird, die sich auf Akteure in der Wertschöpfungskette richtet und ihnen auf die Finger schaut.

Zu guter letzt sollten die Prinzipien des Fairen Handels gefördert werden. Das bedeutet langfristige Verträge, kostendeckende Preise und transparente Handelsbedingungen!

Findest Du das auch unfair? Dann sag Deine Meinung beim Alternativgipfel in München! Alle Infos und Mitmachmöglichkeiten findest Du hier.

Hier geht es zur vollständigen Studie und zur Zusammenfassung!

Schau Dir das Video zur Studie an: