Ein einhorn, das Leben rettet

Interview mit Waldemar Zeiler von einhorn und Entrepreneur's Pledge

by Nadia Boegli, December 11, 2014

In diesem Interview dreht sich alles um Waldemar Zeiler, serial Entrepreneur, Gründer von einhorn und Entrepreneur's Pledge. Waldemar und sein Team entwickeln etwas, was wir alle brauchen, etwas was Leben retten kann, etwas zum Anfassen, ein natürliches Produkt. Finde selbst raus, worum es sich bei einhorn handelt...

Du hast vorher klassische Start-ups gegründet, unter anderem mit Rocket Internet & Team Europe. Was hat Dich dazu inspiriert ein Sozialunternehmen zu gründen?

Ich habe mir 6 Monate Auszeit genommen nachdem ich das Ruder für meine letzte Gründung Digitale Seiten nach 3,5 Jahren Aufbauarbeit übergeben hatte. Für mich war das eine extreme Erfahrung, einfach mal ohne Plan in den Tag hineinzuleben und nach ca. 1-2 Monaten konnte ich dann tatsächlich abschalten. Erst dann war es mir möglich, mal neue Gedanken abseits der Berliner Start-up-Welt, zu spinnen. Backpacking durch Mittel- & Südamerika führt dich an vielen Plantagen vorbei und man kriegt einen Einblick in die Anbauweise vieler Rohstoffe für Lebensmittel, die man in unseren Supermärkten kaufen kann. Wenn man die Arbeitsbedingungen und den Umgang mit der Natur hautnah erlebt, hat das wenig mit den romantischen Fernsehspots für Kaffee oder Schokolade in Deutschland gemein. Ich fing an weitere Produkte meines täglichen Gebrauchs, vom Essen über Kleidung bis hin zu Kondomen, nach Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Fast überall fand ich eine direkte Verbindung zu den größten bestehenden gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Da hat mich mein Ehrgeiz gepackt und als Unternehmer wollte ich selbst herausfinden, ob man heutzutage überhaupt ein großes Unternehmen bauen kann, dass sowohl fair als auch nachhaltig mit allen Stakeholdern umgeht.

Dass man das heutzutage Sozialunternehmen oder Social Entrepreneurship nennt, spricht schon Bände über den Zustand unserer Gesellschaft.

Was  kannst Du uns über einhorn verraten?

Seit dem letzten Wochenende ist das Produkt offiziell bekanntgegeben auf unserer neuen Webseite www.einhorn.my. Einfach den kurzen Teaser anschauen:

Wir begeben uns mit einhorn auf eine Reise, um ein faires und nachhaltiges Kondom Stück für Stück möglich zu machen und zu beweisen, dass man auch mit fairstainable Produkten globalen und nachhaltigen Erfolg haben kann. 

In jedem Sektor gibt es Aufs und Abs. Was war bis jetzt Dein persönlich größter Erfolg?

Ehrlich gesagt, bin ich am dankbarsten für die tollen & spannenden Menschen in meinem Umfeld. Es ist schon ein Privileg überall auf der Welt und vor allem in Berlin Menschen zu seinen Freunden zählen zu dürfen, die einen auf unterschiedlichste und teilweise verrückte Art und Weise persönlich bereichern. Diesen KPI kann ich jedem empfehlen ;)

Bitte teile auch die 5 Top Learnings mit uns – Was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

- Mit so vielen unterschiedlichen Menschen über die eigene Geschäftsidee sprechen, wie es nur geht. Der Input für die Idee übersteigt bei weitem das Risiko, dass die Idee geklaut wird.

- Abgleich der Interessen von möglichen Investoren mit den eigenen. "Oft genug verfällt man der Versuchung, das Geld der erstbesten Investoren anzunehmen." Hier verhält es sich wie in einer Ehe. Heiraten geht super schnell, klappt es allerdings nicht, ist die Scheidung für bei Seiten mühsam und kräftezehrend.

- Ich kann nicht empfehlen mit sehr guten Freunden zu gründen. Das Risiko ist es nicht wert, nicht nur ein Unternehmen an die Wand zu fahren, sondern auch eine gute Freundschaft. Außerdem muss man schon wahnsinnig Glück haben, dass ein Freund zufällig die richtigen Skills mitbringt für eine bestimmte Idee und sich bewusst ist, was unternehmerisches Risiko bedeutet.

- Frei denken kann man besser, wenn man weniger Verpflichtungen und Abhängigkeiten in seinem Leben schafft. Hohe Lebenserhaltungskosten und viele Projekte fördern die Abhängigkeit von einem „sicheren“ Job oder anderen Erwerbsquellen und verschleiern den Blick auf wirklich disruptive Modelle. Diese zu finden, erfordert auch mal längere kreative Phasen ohne Einkommen und mit dem monatlichen Kostendruck einer fetten Wohnung und eines Porsche lässt sich das nicht lange aushalten. Monatelang nur mit einem Rucksack zu reisen ist definitiv ein gutes Training dafür.

Was ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Sozialunternehmen und warum?

Grundsätzlich lege ich hier dieselbe Messlatte an, wie für normale Unternehmen. Wenn ein Unternehmen so schnell wachsen kann wie Google, Facebook, Airbnb, Uber, Rocket Internet & co., dabei global denkt und die Marktführerschaft anstrebt, dann spricht man von Erfolg. Leider findet man dieses Denken im Social Entrepreneurship-Bereich sehr selten. Mit dem Entrepreneur’s Pledge haben wir deswegen eine Initiative gegründet um erfolgreiche Gründer für Social Entrepreneurship zu begeistern und gemeinsam Social Entrepreneurship aus der Nische auf die Weltwirtschaftsbühne zu bringen. Ein mögliches Vorbild ist Wholefoods Markets aus den USA.

Was macht Dich zum Changer?

Bisher gar nichts. Es wird zu viel darüber geredet, wie man die Welt verbessern kann. Ich hoffe in ein paar Jahren eine unternehmerische Antwort geben zu können: mit messbarem Umsatz und Impact meines Unternehmens sowie zahlreichen Ausgründungen aus dem Entrepreneur’s Pledge.