Durch Mode die Lebensbedingungen in Entwicklungsländer dauerhaft verbessern?

Interview mit Sophie Neuhaus, Gründerin von amodini

by Naomi Ryland , February 16, 2015

In unserer Interviewreihe sprachen wir mit Sophie Neuhaus, Gründerin des Hamburger Social Startups amodini. amodini ist ein Fair Fashion Online Shop, in dem man Produkte von einzelnen Kunsthandwerker/innen und traditionellen Familienbetrieben erwerben kann. Im Interview berichtet die Gründerin wie es zu dieser Idee kam und wie sie die Lebensbedingungen in Entwicklungsländer dauerhaft verbessern möchte. 

Wolltest Du schon immer im sozialen Sektor arbeiten?

Oh nein! Ich bin da quasi so reingerutscht. Ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert und anschließend angefangen, bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Bereich der Steuerberatung zu arbeiten. Nach gut 3,5 Jahren wurde es dann für mich Zeit für eine persönliche Veränderung und ich entschied mich, zurück in meine Heimatstadt Hamburg zu ziehen. Zwischen den beiden Jobs habe ich mir jedoch ein Sabbatical von 6 Monaten genommen und bin nach Indien gereist. Nach meiner Rückkehr war dann alles anders.

Was war die Motivation, amodini zu gründen?

In Indien habe ich insgesamt 3 Monate verbracht, wovon ich zwei Monate lang einen Freiwilligendienst bei einer indischen Nichtregierungsorganisation absolviert habe. Während der Zeit lernte ich, welche positiven Auswirkungen nachhaltig aufgezogene Projekte, die sich mit der Aus- und Weiterbildung der Menschen und insbesondere Frauen beschäftigen, auf diese und ihre Familien haben können.

Zurück in Deutschland überlegte ich mir, dass es auf der Welt sicher zahlreiche solcher Projekte geben müsse und dass es doch eine Idee sein könnte, diese in ihrer guten Arbeit zu unterstützen. Ich fand schließlich zunehmend Begeisterung an dem Gedanken, hierzulande ästhetisch schöne und modische Produkte von hoher Qualität zu verkaufen, die von Menschen in Entwicklungsländern unter fairen Bedingungen hergestellt werden. So könne man benachteiligte Menschen unterstützen, ihre Fähigkeiten wertschätzen und zu einer gerechteren Welt beitragen.

 Wer sind Deine Vorbilder?

Ein Vorbild ist für mich eigentlich jeder, der sich traut ausgetretene Pfade zu verlassen und aus dem „Normalen“ auszubrechen. Der sich engagiert und über den Tellerrand hinaus schaut. Dafür gibt es natürlich zahlreiche Wege.

 Was ist für Dich ein gutes Beispiel von einem „Social Business“ und warum?

Als ich im Frühjahr 2013 anfing, meine Ideen und Gedanken zu einem Konzept zu strukturieren, habe ich mich lange mit dem Thema Social Entrepreneurship beschäftigt. Besonders beeindruckt haben mich damals die Jungs von der Hamburger Getränkefirma LemonAid, die mit ihren Limonaden und Eistees versuchen, soziales Engagement und ökonomischen Erfolg miteinander zu verbinden.

In meinen Augen haben sie es geschafft, ein Fair Trade Produkt zu kreieren, das nicht nur super designt ist, ein tolles Wortspiel in sich trägt und in die Szeneläden Deutschlands geschafft hat, sondern bei dem man sich auch über die Menschen hinter der Beschaffung der Rohstoffe Gedanken macht und sie fair behandelt, so dass alle in der Kette davon profitieren.

Bitte teile die 5 Top Learning (aus dem Gründungsprozess z.B.) mit uns – was würdest Du anderen empfehlen, wovon abraten?

Es wird immer wieder Zeiten geben, die stark von Zweifeln geprägt sein werden. Wenn es wieder einmal soweit sein sollte, gib bloß nicht auf und lass Dich davon nicht unterkriegen! Darauf folgen gewiss wieder „bessere“ Zeiten, aus denen Du mit neuer Motivation rausgehen wirst.

Sei flexibel und bereit, Dein Konzept auch im laufenden Geschäft noch abzuwandeln, wenn Du merkst, dass sich Deine ursprünglichen Ideen anders entwickeln als erwartet.

Suche Dir einen Mentor, mit dem Du Dich von Zeit zu Zeit zusammensetzt und ihm schilderst, wie es in den vorangegangenen Wochen gelaufen ist, was Du aus diesen Aktivitäten für ein Resümee ziehst und was Du in den kommenden Wochen anders machen könntest. Ein Blick von außen und einer ansonsten unbeteiligten Person kann meist Wunder bewirken!

Nicht alles bis ins kleinste Detail durchdenken, sondern ruhig den Mut haben, Dinge einfach zu machen. Sicherlich wird das ein oder andere daneben gehen, aber daraus kannst Du nur lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

Gönn Dir neben der vielen Arbeit genug Pausen, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Ansonsten könnte es passieren, dass Du Dich zu sehr in etwas verstrickst und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst.

Warum bist Du THE CHANGER?

Wir sind Changer, da wir mit amodini zeigen, dass sich Fair Trade durchaus mit Fashion kombinieren lässt. Das langweilige Öko-Image, das oftmals noch fair gehandelten Produkten aus dem Lifestyle Bereich anhaftet, versuchen wir durch eine gezielte Auswahl unserer Produkte zu widerlegen. Darüber hinaus schlagen wir eine Brücke zwischen den Artisans aus fernen Ländern und unseren Kundinnen, in dem wir ihnen die Geschichten erzählen, die hinter den Menschen stehen, die für die Herstellung der handgemachten Produkte verantwortlich sind.