Ein Snack gegen die Lebensmittelverschwendung

Die Gründer von Dörrwerk entwickeln einen Snack, der nicht nur Dir gut tut.

by Nadia Boegli, January 9, 2017

Leider werden noch immer zu viele Lebensmittel weggeworfen. Gerade wenn es um Gemüse und Obst geht, landen jährlich mehrere Mio. Tonnen auf dem Müll. Die Gründer von Dörrwerk haben das Problem erkannt und möchten mit ihrem Social Startup nicht nur gegen die Verschwendung vorgehen, sondern liefern uns allen auch noch einen gesunden Snack. Im Interview erzählen sie uns, wie hoch die Verschwendung tatsächlich ist, wie die Produktion ihres Fruchtpapiers funktioniert und was Du bedenken musst, wenn Du im Lebensmittelbereich durchstarten möchtest. 

Erzählt uns ein bisschen von Dörrwerk, was hat es damit auf sich und wie ist die Idee entstanden?

Wir sind ein junges Berliner Unternehmen, auf wirtschaftliche und nachhaltige Art und Weise gegen die Lebensmittelverschwendung vorgeht. Dazu kaufen wir tonnenweise Obst und Gemüse, das aufgrund optischer „Mängel“ nicht mehr in den Handel kommt. Oft sind das nur kleine Schrammen, Schorf oder Hagelschäden, manchmal ist das Obst auch schon so reif, dass es keine 5 Tage mehr in der Auslage liegen kann. Aber eins haben all diese Früchte und das Gemüse gemeinsam: Sie sind super lecker.

Wieviel Obst wird denn eigentlich in Deutschland weggeworfen?

In Deutschland wandern jährlich zwischen 15 und 18 Mio. Tonnen Lebensmittel in die Tonne. Schätzungsweise die Hälfte davon ist frisches Obst und Gemüse. Über den Daumen gepeilt sind es also zwischen 5 und 9 Tonnen Obst und Gemüse, die kein würdevolles Ende finden.                                                                                                     Dörrwerk Fruchtpapier

Wie genau funktioniert der Prozess und bleiben die Vitamine so erhalten?

Wir sortieren und waschen die Früchte, anschließend verarbeiten wir sie zu Püree. Das Püree kommt dann in unsere großen Dörröfen auf Bleche – ganz glatt aufgetragen. Nach ca. 15 – 20 Stunden bei schonenenden Temperaturen kommt ein hauchdünner und knuspriger Snack raus: Unser Fruchtpapier. Unsere Gemüsechips schneiden wir in Scheiben und trocknen diese dann ebenfalls sehr schonend, dabei kommen super knusprige und intensive Snacks heraus, wie z.B. unsere Tomatenchips. Unsere Snacks sind frei von Zusatzstoffen und reich an Nährstoffen, unsere Tomatenchips z.B. haben aufgrund des schonenenden Trocknungsverfahrens sogar noch natürliches Vitamin C.

Nach welchen Kriterien sucht Ihr Eure Farmer aus?

Wir setzen auf regionale Partner wie unsere Apfelbauern aus Straußberg und unsere Erdbeerbauern aus Beelitz. Bei den exotischen Früchten gehen wir nach Verfügbarkeit und retten z.B. palettenweise Mangos und Ananas, die im Hafen in Hamburg oder den Niederlanden anfallen – frei nach der Devise: Jede Frucht ist schön.

Dörrwerk Produktion

Der Lebensmittelbereich gehört nicht gerade zu den Einfachsten, was würdet Ihr anderen UnternehmerInnen empfehlen, die ebenfalls in diesem Bereich was gründen möchten?

Nehmt es nicht auf die leichte Schulter – die eigene Produktion von Lebensmitteln erfordert entweder eine sehr gute  Vorbereitung, Recherche und manchmal auch Expertenwissen. Die Skalierung eines Küchenrezepts auf einen großen Maßstab ist eben doch nicht einfach nur mit größeren Maschinen getan. Was man aber auch sagen kann: Man lernt eine ganze Menge und der Umgang mit Lebensmitteln macht einfach großen Spaß.

Was macht Euch zu Changern?

Wir denken, dass die Antwort auf die Lebensmittelverschwendung eine wirtschaftliche Antwort sein muss – also eine Antwort, die imstande ist, sich selbst zu tragen, die Mitarbeiter zu finanzieren und den Partnern, wie bei uns den Landwirten, faire Preise zu bezahlen. So können wir die Wertschätzung für unsere Lebensmittel wieder stärken und ins Bewusstsein der Verbraucher bringen.

Der Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Startnext verfasst.

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