Die innovativsten Berliner Flüchtlingsprojekte

Hier stellen wir einige unserer Lieblingsideen vor!

by Julia Hübner, September 24, 2015

Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, treffen hierzulande auf viele neue Schwierigkeiten. Um den Mangel des Staates zu kompensieren und die oft etwas langsame Politik auf neue Ideen zu bringen, arbeiten mittlerweile viele Bürger/innen an Projekten und Unternehmen, die das Leben von Flüchtlingen einfacher machen sollen. Hier stellen wir einige unserer Lieblingsideen vor!

Dieser Artikel ist der erste in unserer Serie zum Thema ‘Teilhabe‘, in der wir zusammen mit PEP (eine Initiative von Ashoka Deutschland), tolle und innovative Projekte vorstellen, die daran arbeiten allen Menschen die Teilhabe in unserer Gesellschaft zu erleichtern. 

Sharehaus Refugio

Das Refugio ist eine Werkstatt des Sharehauses und der Berliner Stadtmission e.V.. In Berlin Neukölln, leben und arbeiten geflüchtete Menschen auf fünf Etagen. Zuflucht, Gemeinschaft und eine neue Heimat für Weltenwanderer aller Kulturen stehen hier im Vordergrund. Einzigartige Fähigkeiten und Talente der Geflüchteten sollen ergründet und gefördert werden.

In einem Coachingprogramm können alle mit Freude Deutsch lernen, eine sinnvolle Ausbildung beginnen oder Arbeit finden. In einem individuellen Programm sind alle Bewohner/innen verpflichtet ihre Fähigkeiten im Haus und im Kiez einzubringen. Gemeinsam wird ein Upcycling-Café im Foyer und auf der Dachterrasse betrieben, Events und ein Nachbarschaftsmarkt im großen Saal organisiert. In Co-Working und in Werkstätten werden soziale Unternehmen und Netzwerke mit befreundeten Initiativen entwickelt. Es wird zusammen gekocht, Geschichten und Erfahrungen geteilt, gesungen und erzählt. Es herrscht Optimismus und ein positives Klima, Mitleid, Ablehnung und Krise sind hier fehl am Platz.

12-18 Monate leben die Bewohner/innen wie in einer WG zusammen – ein lebendiges Gemeinschaftsleben!

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Hotel Utopia

Flüchtlinge leben oftmals ausgeschlossen von unserer Gesellschaft. Katrin Elsemann, Susanne Wilm, Maja Hebel und Catherine Daraspe, die Gründerinnen von Hotel Utopia wissen, dass dies weder menschlich noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Im Hotel Utopia in Berlin finden geflüchtete Menschen Arbeits- und Ausbildungsplätze. So können gelernte Hotelfachmänner und –frauen ihre Kenntnisse einbringen und anwenden oder andere eine Ausbildung als z.B. Koch machen. Hier werden aus Geflüchteten Gastgeber und sie kommen in der Mitte unserer Gesellschaft an.

Aber das Hotel Utopia soll Geflüchteten nicht nur eine legale Möglichkeit der Arbeit bieten, sondern es soll auch ein Ort der Begegnung werden. Menschen unterschiedlicher Herkunft werden hier zusammengeführt und können durch Begegnungen und Dialoge auf allen Seiten Vorurteile abbauen. Außerdem erlangen die Flüchtlingen durch ihre Arbeit mehr Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit. Zusammen mit Profis aus der Branche führen und bewirtschaften sie das Hotel ganz eigenständig. In Sprachkursen und Therapieangeboten können sie sich jeglichen Herausforderungen stellen. Ein Job Coach hilft ihnen bei langfristigen Karriereplanungen sowie sozialen und rechtlichen Fragen.

Kein Wunder, dass die Gründerinnen mit diesem tollen Projekt den Act for Impact Award gewannen – die Signalwirkung gegen Fremdenfeindlichkeit ist enorm! Wir freuen uns auf die Eröffnung des Hotels Anfang 2017.

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Über den Tellerrand kochen

Über den Tellerrand kochen möchte durch tolle und lustige Kochkurse sowie Community Treffen ein neues Miteinander zwischen Flüchtlingen und Beheimateten schaffen. Hier macht Integration Spaß und Diversität mit gegenseitiger Akzeptanz wird gelebt.

Die Köche von Über den Tellerrand kochen sind Flüchtlinge aus aller Welt. Sie zeigen allen die dran teilnehmen möchten, wie in ihrem Heimatland ein leckeres Menü zubereitet wird. Hier kommt man mit neuen Geschmäckern und Gerüchen in Berührung und wird auf eine Reise in ferne Länder mitgenommen. Die Flüchtlinge zeigen Fotos und erzählen von ihrer Kultur. Fernweh ist vorprogrammiert!

Bei den Community Treffen wird es bunt. Über den Tellerrand kochen trifft sich in regelmäßigen Abständen zu Aktivitäten aller Art. Ob Sport, Kreatives oder Schöpferisches, hier steht der Spaß und die Bildung einer Community von Flüchtlingen und Beheimateten im Vordergrund. Hier lernt ihr beim gemeinsamen kochen, basteln, Fußballspielen, oder bei Fahrradtouren und Ausflügen einander kennen und Vorurteile bleiben zu Hause!

Dem Team von Über den Tellerrand kochen ist es sehr wichtig, dass die Talente und Fähigkeiten aller erkannt, wertgeschätzt und genutzt werden. So lernen sich alle Mitglieder auf der Basis von Liebe und Akzeptanz kennen – und die Herkunft, Religion oder Weltanschauung ist egal. So kann der Grundstein für einen nachhaltigen Integrationsprozess gelegt werden.

Seid ihr auf den Geschmack gekommen? Dann schaut doch mal in das Kochbuch von Über den Tellerrand kochen rein. „Rezepte für ein besseres Wir“ zeigt Dir außergewöhnliche Köstlichkeiten aus aller Welt und lässt Dich in spannende Geschichten über Heimat und Kultur eintauchen.

Guten Appetit!

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Flüchtlinge Willkommen

Warum können geflüchtete Menschen in Deutschland nicht einfach in WGs wohnen statt in Massenunterkünften?! Diese Frage stellten sich die Gründer/innen von Flüchtlinge Willkommen und fanden einen Weg dies möglich zu machen.

Wie das funktioniert erklären wir Dir jetzt. Du meldest Dein Zimmer auf der Webseite von Flüchtlinge Willkommen an. Diese brauchen nur ein paar Infos zu Deiner Wohnsituation und dann kanns auch schon logehen! Vor Ort finden sie einen Ansprechpartner für Dich und stellen einen Kontakt zwischen Dir und dem/der Geflüchteten her. Die Miete wird mit der Hilfe von Flüchtlinge Willkommen in die Hand genommen. Oftmals wird diese aus Microspenden oder Crowdfunding bezahlt, aber auch Bundesländer helfen gerne beim Auszug von Massenunterkünften in private WGs. Keine Sorge: Du musst die Miete NICHT selbst zahlen. Auch nachdem euer/e neue Mitbewohner/in bei euch eingezogen ist, stehen Flüchtlinge Willkommen bei Fragen und allem Weiteren zur Verfügung. Bei der Suche nach Sprachkursen, Beschäftigungen wie Praktika oder Ausbildungsplätzen, aber auch der Vernetzung in der Community helfen Flüchtlingsorganisationen vor Ort – ihr könnt euch jederzeit an sie wenden!

Die Gründer/innen von Flüchtlinge Willkommen leben die Vision, dass wir Flüchtlingen einen warmen Empfang bieten und sie nicht in Massenunterkünften unterbringen und ausgrenzen sollten. Mit ihrem Konzept können wir alle gemeinsam eine neue Willkommenskultur schaffen, neue Kulturen kennen lernen und Freundschaften fürs Leben schließen!

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CUCULA e.V.

Cucula bedeutet „etwas gemeinsam machen“ sowie „aufeinander aufpassen“ und stammt aus der Hausa Sprache (West-Zentralafrika). Dieses kleine Wort ist hier ganz groß!

CUCULA ist Verein (CUCULA e. V.), Werkstatt (CUCULA –Refugees Company for Crafts and Design) und Schulprogramm (CUCULA Education) in einem. Für und mit Flüchtlingen in Berlin werden durch gemeinsame Modellprojekte Ausbildungsmöglichkeiten für die Menschen geboten, für die sonst alle Türen geschlossen bleiben.

Die Flüchtlinge basteln, werkeln und bauen was das Zeug hält. Sie erschaffen Stühle, Tische und weitere Designer Möbelstücke, die dann zum Verkauf angeboten werden. In der Werkstatt lernen die Geflüchteten in Zusammenarbeit mit Designern und Pädagogen wie Holz verarbeitet wird, aber sie erhalten auch wertvolles Wissen über die Konstruktion und Planung von Designstücken. Ihre eigenen kreativen Ideen können sie jederzeit einbringen. Dabei fließt oft ihre eigenen Biografie ein und sie erhalten die Möglichkeit Geschehenes zu verarbeiten. Dadurch schafft CUCULA eine ganz neue Willkommenskultur und befreit die Geflüchteten von ihrer „Opferrolle“ sowie schenkt ihnen Selbstbewusstsein und Zuversicht.

Der Erlös aus dem künftigen Verkauf der Werkstücke soll zur Finanzierung des Lebensunterhalts und der Ausbildung der Flüchtlinge dienen.

Der Verein CUCULA e.V. umfasst aber nicht nur die Werkstatt, sondern auch ein Bildungsprogramm. Dort findet ein interdisziplinärer Austausch mit Experten, ehrenamtlichen Unterstützern und allen die Lust haben statt. Ziel ist es zusammen mit Politikern, Künstlern und interessierten Menschen daran zu arbeiten, Menschen mit Fluchthintergrund aus der gesellschaftlichen Isolation heraus zu führen.

Der Verein CUCULA e.V. bildet mit dem Internationalen JugendKunst- und Kulturhaus zusammen das Dach für die Werkstatt und das Bildungsprojekt.

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Foto: CUCULA

Multitude

In dem Verein Multitude e.V. finden sich Menschen zusammen, die sich zum Ziel gesetzt haben Flüchtlinge in Deutschland und speziell in Berlin zu unterstützen.

Die Vereinsmitglieder wissen, dass das (staatliche) Angebot bei weitem nicht dem Beratungs- und Hilfsbedürfnis von Flüchtlingen gewachsen ist. Deswegen möchten sie mit ihrem Angebot eine von vielen Lücken schließen.

Ein großer Tätigkeitsbereich von Multitude ist das Lehren der deutschen Sprache in Berliner Flüchtlingsunterkünften, denn um sich selbstbewusst in einem Land bewegen zu können, muss man die Sprache beherrschen.

Freizeitaktivitäten, wie Fußball oder Basketball spielen, gemeinsames Kochen, Filme schauen in der Unterkunft oder Grillen im Park gehören aber auch zu den Aktivitäten von der Multitude. Die Veranstaltungen werden zusammen mit Flüchtlingen und Freiwilligen organisiert. Neben den “Aktivitäten-AGs” gibt es auch die Gruppen, die sich mit den formellen Dingen einer Organisation auseinander setzen: Buchhaltung, Webdesign, Mitgliederkoordination, politischer Ansatz, etc.

Für all diese Bereiche sucht die Multitude immer tatkräftige Unterstützung. Hast Du Lust dabei zu sein und viele weitere Ideen (wie bspw. Theater und Sprachtandemkurse) in die Tat umzusetzen? Dann schreib eine Mail an: info@multitude-berlin.de.

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 … was es noch so gibt

Nachdem wir Dir hier viele coole und innovative Projekte vorgestellt haben, bist Du bestimmt platt. Doch wir wollen noch eins loswerden:

Flüchtlingsprojekte müssen nicht immer “innovativ” sein, auch die Projekte und Initiativen, die da waren, bevor die Arbeit mit Flüchtlingen hip wurde, leisten seit Jahren wichtige Arbeit. Auch da hat Berlin viel zu bieten. Wirf doch mal einen Blick auf die KUB, die Flüchtlingshilfe Berlin und den Flüchtlingsrat Berlin. 

UND “hot off the press” möchten wir Dich auch schon auf ein ziemlich cooles Projekt in spe aufmerksam machen. Bald wird es Stadtführungen von Flüchtlingen geben – organisiert von querstadtein, eine Initiative, die momentan Stadtführungen von und mit Obdachlosen durchführen. Lass Dich überraschen!

Kennst Du andere innovative Ideen aus Deiner Stadt? Her damit an content@thechanger.org.

Lust auf mehr? Dann klick hier: teilhabe.thechanger.org.