Die andere Sprache der Integration

CodeDoor unterstützt Geflüchtete mit Mentoring, um eine ganz besondere Sprache zu lernen.

by Sascha Knoch, March 31, 2016

Karan Deghani und Nicolas Ritouet sprechen eine besondere Sprache, denn Sie sind beide Programmierer und Gründer des gemeinnützigen Unternehmens CodeDoor. Wir haben für euch nachgefragt, welche Hoffnungen und Ziele beide Gründer für die Geflüchteten und Deutschland haben und wie sie selbst ganz besondere Türen öffnen wollen.

Ihr seid selbst IT-Experten und wollt mit Eurem Unternehmen CodeDoor Geflüchtete unterstützen. Wie packt Ihr das konkret an?

Wir bringen unseren Teilnehmer/innen das Programmieren bei.  Unsere Absolventen können nach ihrer Teilnahme Web- und Mobile Apps programmieren. Dafür bieten wir den Teilnehmer/innen die Infrastruktur: Tutoren, Räumlichkeiten, Laptops und natürlich die Kursinhalte. Seit neuestem bieten wir in Frankfurt auch Workshops zur Gründung des eigenen Unternehmens an. Für die Kursinhalte kooperieren wir mit der Silicon Valley Universität Udacity. Udacity ist eine Online Universität, die u.a. mit Google und Facebook Programmierkurse entwickelt hat. Udacity stellt unseren Teilnehmer/innen kostenlose Stipendien für die Kurse zu Verfügung.  Durch Udacity erhalten wir eine hohe Praxisrelevanz, da die Kurse immer nach dem aktuellen Bedarf der Branche ausgerichtet sind.  
Wichtig ist uns, dass die Teilnehmer/innen nach Ihrem Abschluss CodeDoor unterstützen. Sie verpflichten sind mit 10h pro Monat für ein Jahr CodeDoor pro bono zu unterstützen: entweder durch Programmierstunden oder als Tutor/in oder Mentor/in.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen CodeDoor zu gründen?

In Deutschland gibt es über 40.000 unbesetzte Stellen für Programmierer/innen und mindestens genauso viele Flüchtlinge, die gerne Arbeiten wollen. Nicolas und ich sind beide Programmierer und da lag es für uns Nahe, den Menschen die Möglichkeit zu bieten, Programmieren zu lehren.  

Wie viele Geflüchtete nehmen zur Zeit an Eurem Programm teil?

Wir haben ca. 100 Anmeldungen bundesweit. Aber die Kurse starten erst nach und nach. In Berlin, Frankfurt und Gießen sind es ab März ca. 40 Teilnehmer/innen. 

Ihr nehmt auch besondere Arten der Unterstützung an. Welche sind das genau?

Wir haben Bedarf für folgende Unterstützung:

  • Tutoren & Mentoren, die sich ein bis drei Stunden in der Woche mit den Teilnehmer/innen treffen.
  • Laptops, die nicht älter als zwei Jahre sein dürfen (da die Technik sonst zu veraltet ist, um die neuesten Programmiersprachen zu lernen).

Welche Voraussetzungen müsste ich als Tutor mitbringen?

Wir unterscheiden zwischen Tutoren und Mentoren. Die Tutoren unterstützen im Lernen von Programmiersprachen und die Mentoren unterstützen “moralisch”. Tutoren sollten Programmieren können. Die Mentoren unterstützen dabei, dass die Teilnehmer regelmäßig erscheinen und auch in schwierigen Zeiten am Ball bleiben. Sowohl Tutoren als auch Mentoren sollten ca. ein bis drei Stunden Zeit pro Woche mitbringen.

Welche ist Eure wichtigste Erkenntnis, seit dem Start von CodeDoor? 

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir den Fokus auf das Endspiel nicht verlieren dürfen. Denn Angst korreliert meistens nicht mit der tatsächlichen Gefahr. Was wir damit sagen wollen ist, dass wir uns in Deutschland bzw. Europa nicht vor dem Unbekannten fürchten und dem Gefühl der Angst leiten lassen dürfen. Wir müssen optimistisch, determiniert handeln, mit dem Glauben daran, dass wir aus der Krise einen Sieg machen. Wir haben eigentlich keine andere Wahl, als erst angemessen auf die Realität zu reagieren und dann diese pro aktiv zu gestalten.  Natürlich ist die Realität nicht einfach zu bewältigen. Wie könnte sie das sein? Konkret heißt dies, dass die konkrete Gefahr eigentlich nur in der Lethargie liegt.  Wir müssen pro aktiv in alle Richtungen handeln: von der Ebene der Nachbarschaft bis zu globalen politischen Entscheidungen.  Ziel ist, dass die Flüchtlinge sich verpflichtet fühlen, sich für das soziale und materielle Wohl der Gesellschaft einzusetzen und dazu auch in die Lage versetzt werden.  

Was macht Euch zu Changer?

Die wahren Changer und das Rückgrat von CodeDoor sind die freiwilligen Tutoren und Mentoren. Ohne die Tutoren & Mentoren wäre CodeDoor nicht möglich. CodeDoor ist nur eine Plattform, auf der sich viele Menschen für das soziale und materielle Wohl der Gesellschaft einsetzen.  Erst durch die Begleitung der Teilnehmer/innen durch die Tutoren und Mentoren wird der  Wandel für unsere Gesellschaft bewirkt. Dabei ist Einheit in der Vielfalt und der Glaube an das Potential der Menschen hier die eigentliche tragende Kraft: die Tutoren und Mentoren haben alle unterschiedlichste Hintergründe und arbeiten dennoch einheitlich für das gleiche Ziel: Vorurteilsfrei anderen Menschen zu helfen.